Antworten auf Anfragen per E-Mail

Stichworte: Zur gesellschaftlichen Funktion des Sports und Leistungssports in der DDR sowie zur Motivation der Sportler
E-Mail vom 29.1.2002

...Herr Röder !
Ich habe die Abschnitte Ihrer Arbeit im Internet gelesen und fand Ihre Schilderungen über die Vorbereitungen auf die Olympischen Spiele und natürlich auch über die Nachwuchsförderung des damaligen DDR-Sportsystems sehr interessant. Mich würde Ihre Meinung zu den folgenden Fragen interessieren.

  1. Hätte es keinen Wettstreit gegeben zwischen den zwei Gesellschaftsordnungen, Ost-West, meinen Sie, dass die DDR ein solch effizientes Sportprogramm aufgebaut (hätte).
  2. Die Regierung hat sicherlich einen Einfluss auf das sportliche Geschehen gehabt und hat stets behauptet, dass die sportlichen Erfolge aufgrund der sozialistischen Staatsform möglich waren. Die Sportler sollten auch für den sozialistischen Staat gewinnen um den Westen zu zeigen, dass im sozialistischen Staat, Sport und Gesundheit auf einer höheren Ebene waren.
    Was halten Sie davon und meinen Sie dass die Sportler wirklich den Erfolg nur für den Staat erringen wollten, oder hat auch noch der eigene Ruhm eine Rolle gespielt?

Hoffentlich finden Sie doch die Möglichkeit mir zu schreiben. Vielen Dank.


Antwort vom 5.2.2002

Hallo Herr ...,
herzlichen Dank für Ihre E-Mail und Ihre Fragen zu meiner Homepage. In gebotener Kürze einige Gedanken zu den von Ihnen geäußerten Fragen:

  1. Hierzu antworte ich Ihnen mit einem... Ja und Nein! Natürlich wirkte die damalige Systemauseinandersetzung auf die Entwicklung des Leistungssports in der DDR ein. Das galt aber auch für andere im Sport führende Länder, wie sich an Programmen und praktischen Maßnahmen des Sports in den USA, der alten BRD und vielen weiteren Ländern belegen läßt.
    Zugleich erfaßt jede Überbetonung dieses Faktors völlig ungenügend das weitaus komplexere Einflußgefüge, das objektiv zu den langjährigen Erfolgen des DDR-Leistungssports führte.
    • Der (auch) in der DDR zu verzeichnende Widerspruch zwischen Ideal und Wirklichkeit vermag nach meinem Ermessen nichts daran zu ändern, daß sie in vieler Hinsicht eine "Leistungsgesellschaft" war und auf wirtschaftlichem, wissenschaftlich-technologischem und geistig-kulturellem Gebiet nach Spitzenleistungen strebte. Der Sport empfing daraus vielfältige Impulse und wirkte mit seinen Erfolgen nach innen leistungsstimulierend zurück. Auch aus solchen Funktionen erklärt sich maßgeblich das Gewicht des Sports im Leben der DDR und das gesellschaftliche Interesse an hohen sportlichen Leistungen.
    • Völlig unabhängig von allen aktuellen internationalen Einflüssen leitete sich vor allem aus den von Karl Marx vorgezeichneten Menschenbild einer allseitig entwickelten, sozialistischen Persönlichkeit in ihrer Einheit von Körper und Geist der in allen sozialistischen Staaten zu verzeichnende hohe gesellschaftliche Stellenwert von körperlicher Bildung, Sport und Körperkultur ab. Sie galten als wichtige Prämissen für die allseitige Vervollkommnung, für eine gesunde Lebensweise und eine sinnvolle Freizeitgestaltung der Menschen. (Der Dichter und Kultusminister Johannes R. Becher trieb diesen Anspruch auf die Spitze, in dem er in der "Lebensweise des Sportlers" " weitgehend den Lebensstil einer neuen Generation" zu sehen glaubte. Viele von uns, die wir für den Sport und Leistungssport in der DDR wirkten, waren von derartigen Visionen fasziniert.)
    • In diesem kultur- und sportpolitischen Konzept nahm die Anerkennung und Förderung individueller Begabungen und des sportlichen Talents einen festen Platz ein. Unabhängig von der sozialen Stellung der Eltern sollten alle Talente des Volkes gefördert werden. Schon außergewöhnlich früh (1952, also lange bevor der "Wettstreit zwischen den zwei Gesellschaftsordnungen" seinen Höhepunkt erreichte) entstanden in der DDR mit den Kinder- und Jugendsportschulen Spezialschulen des sportlichen Nachwuchses, aus denen Generationen hervorragend ausgebildeter Athleten hervorgingen.
    • Schließlich erscheint es mir berechtigt, auf den Einfluß subjektiver Faktoren hinzuweisen. Die Männer, die an der Spitze der DDR standen (besonders W. Ulbricht und auch W. Pieck), waren von Kindheit an selbst mit dem Sport eng verbunden und schenkten seiner Entwicklung sowohl in der Breite als auch in der Spitze persönlich größte Aufmerksamkeit.
    Erst aus einer derartigen, hier nur angedeuteten, komplexen Sicht lassen sich nach meinem Ermessen die Ursachen für die breite gesellschaftlich-staatliche Förderung des Sports und für den Aufstieg des DDR-Sports in die Weltspitze erklären.
  2. Hier möchte ich Sie auf die im Abschnitt "Olympiade 1968 - 1972" dargestellten Überlegungen zur Erziehung und zur Ausprägung von individuellen, kollektiven und gesellschaftlichen Motiven bei unseren Sportlern hinweisen. Dabei wird von mir selbstverständlich anerkannt, daß diese Motivierung beim einzelnen Sportler sehr unterschiedlich gewichtet sein konnte und individuelle Beweggründe zum Teil sehr dominant gewesen sein mögen. Wir haben nie die Illusion von einem Erfolgsstreben "nur für den Staat" vertreten, sondern stets auf eine vielseitige Motivierung der Athleten hingewirkt. In ihr hatten starke persönliche (ideelle und auch materielle) Motive einen außerordentlich wichtigen Platz.

Soweit einige Gedanken zu den von Ihnen an mich gerichteten Fragen...
Mit freundlichen Grüßen und guten Wünschen

E-Mail vom 23.7.2002

Herr Röder,
Vielen Dank für diese Neuigkeit. Ich wollte schon lange an Sie schreiben und mich recht herzlich bei Ihnen bedanken für Ihre Antworten auf meine Fragen. Leider in letzter Zeit war ich beruflich ziemlich angespannt (Ich bin in der EDV-Branche tätig) und im Sommer nutzt man eben auch die Möglichkeit im Freien Sport zu treiben.

Na ja, ich nutze jetzt diese Gelegenheit doch an Sie zu schreiben. Ich werde selbstverständlich Ihre aktualisierte Webseite anschauen und mich wieder mit der Thematik DDR-Sport auseinandersetzen. Ihre Bemerkungen fand ich schon recht interessant und ich finde es lobenswert wie Sie sich die Mühe machen na ja den Westen "aufzuklären" wie es damals tatsächlich war. Ich werde sicherlich wieder einige Gedanken äußern wollen und vielleicht die eine oder andere Fragen stellen wollen. Nochmals vielen Dank für Ihre freundlichen E-Mails ...


Stichworte: Zur staatliche Förderung des Sports in der DDR, Doping u. a.
E-Mail einer Gymnasiastin aus Dänemark vom 4.12.2006

Hallo!
Ich bin ein Mädchen aus Dänemark und ich gehe aufs Gymnasium. In der Schule arbeiten wir im Augenblick mit einem Projekt, das heißt: Die DDR vor und nach der Wende.
Meine Gruppe hat gewählt sich mit Sport zu beschäftigen. Ich fand deine Homepage und habe einige Fragen:

  1. Was bedeutete der Leistungssport für DDR bzw. international und die DDR-Bürger? (Anerkennung?)
  2. Auf welche Weise spielte der Staat eine Rolle im Verhältnis zu der Karriere der Sportler? (Doping, Stasi..?)
  3. Welche Methoden brauchte der Staat um den Leistungssport zu fördern ? Stimmen diesen Methoden mit der marxistischen Ideologie überein!

Ich habe deine Homepage gesehen, aber es ist schwierig zu verstehen, weil ich Dänisch bin.


Antwort vom 5.12.2002

Hallo...,
habe Deine E-Mail gelesen und versuche Deine Fragen gern, wenn auch kurz, zu beantworten.

  1. In der DDR - einem Staat mit einer sozialistischen Gesellschaftsvision - nahm der Sport eine wichtige Stellung ein. Das Recht der Bürger auf Sport war in der Verfassung der DDR ausgewiesen und wurde durch den Staat als wichtiges Mittel zur Förderung und zum Erhalt der Gesundheit, zur allseitigen Bildung und Erziehung und zur sinnvollen Freizeitgestaltung der Menschen vielseitig gefördert. Als Teil des Sports wirkte der Leistungssport in der DDR sowohl nach innen als nach außen, nahm er innen- als auch außenpolitische Funktionen wahr. Näheres siehe Kapitel 3 meiner Homepage.
  2. Der Staat förderte den einzelnen Leistungssportler in seiner schulischen (Kinder- und Jugendsportschulen, Schulzeitstreckung, Einzelunterricht u. a.) und beruflichen Entwicklung (Studienverlängerung, zeitweilige Arbeitsfreistellung zu Wettkämpfen, Training und Trainingslehrgängen u. a.) und ermöglichte ihm so eine optimale Konzentration auf seine persönliche leistungssportliche Karriere vom jungen Nachwuchssportler bis zum Spitzenathleten. Siehe Kapitel 2 der Homepage.
  3. Bitte beachte, daß Doping ein Grundproblem des internationalen Sports war und ist. Die Anwendung von anabolen Steroiden begann nachweislich in den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts im Leistungssport der USA, erreichte zunehmend den westeuropäische Sport und erst später auch den der sozialistischen Länder. Die in den vergangenen 15 Jahren - also nach dem Ende der DDR - zu verzeichnende Ausweitung des Profisports und seiner nahezu schrankenlosen Kommerzialisierug sind meines Erachtens (einige) wichtige Ursachen des Dopings im heutigen internationalen Leistungssport und haben nichts mit dem Sport der ehemaligen DDR zu tun.
  4. Wenn Du bei Deiner entsprechenden Frage Methoden der Talentfindung, des Trainings und Wettkampfes meinst, so sind diese Methoden nach meiner Auffassung an sich "systemneutral". Vieles von dem, was sich an Methoden und Mitteln im DDR-Leistungssport erfolgreich bewährte, wäre also auch im Sport anderer Länder sinnvoll anwendbar. Es würde mich freuen, wenn Du diesen Gedanken in Eurem Projekt aufgreifen und berücksichtigen würdest.

Ich wünsche Dir und Deinen Mitschülerinnen viel Erfolg sowie auch Freude und Wahrheitsgewinn bei der Arbeit an Eurem interessanten Projekt


Stichworte: Olympische Spiele 2004 sowie zu Leistungs- und Systemunterschieden zwischen dem heutigen Spitzenssport der BRD und dem in der DDR
Email vom 27.1.2005

Unsere Seminargruppenfacharbeit, die einen Stellenwert wie eine mündliche Abiturprüfung hat, beschäftigt sich mit dem Thema Olympia 2004. Wir wollen die Schattenseite der Spiele, d.h. Kosten, Doping usw. aufzeigen aber auch erklären. Mein persönlicher Teil beschäftigt sich allerdings mit dem schlechten Abschneiden der Deutschen im Vergleich zu früheren Spielen, sprich zu DDR-Zeiten. Ich habe mir vorgenommen mich mit dem Sportförderungssystem der Bundesrepublik auseinanderzusetzen um paralell Unterschiede zu früher zu erkennen und daraus zu einem Schluss zu kommen.
Denken sie dass der Zerfall des sozialistischen Systems mit den katastrophalen Leistungen der deutschen Sportler zusammenhängt? Eine persönliche Wertung von ihnen wäre fantastisch!.....
Aber ich würde mich auch über jede Übersicht, jede Statistik, jeden Text und vor allem über jede alternative Ansprechpartneridee besonders freuen. Es wäre hervorragend, wenn sie mir mit meinem Problem weiterhelfen könnten. Danke im Voraus!


Antwort vom 31.1.2005

Hallo...,
für Ihr Interesse an meiner Homepage über den Leistungssport der DDR bedanke ich mich. Da ich in der Vergangenheit mehrfach ähnliche Anfragen von Gymnasiasten und Studenten beantwortet habe, versuche ich natürlich auch Ihnen bei der Beantwortung Ihrer Fragen behilflich zu sein. Erwarten Sie jedoch kein druck- und zitatreifes Statement von mir. Zudem hätte ich es als günstiger empfunden, wenn Sie mir Ihre konzeptionellen Vorstellungen und Fragen etwas detaillierter mitgeteilt hätten.
Die Ausführungen auf meiner Website zu "Funktionen und Ziele, Grundlagen und Wirkfaktoren des Leistungssports in der DDR" könnten für Ihre Fragestellung durchaus hilfreich sein. Aus einem Vergleich der dort definierten allgemeinen und spezifischen Ursachen für die langjährigen internationalen Erfolge der Sportler der DDR lassen sich durchaus Aussagen zu Schwachstellen und Rückständen des jetzigen Leistungssports in der BRD ableiten.
In gebotener Kürze verweise ich beispielsweise auf:

  • die Ausrichtung aller olympischer Sportarten und aller Beteiligten auf Weltspitzenleistungen
  • negative Auswirkungen der im BRD-Sport gegebenen förderalen Strukturen
  • das Erfordernis einer zentralen und professionellen Führung des Hochleistungssports
  • den Einfluß sportfremder Kräfte wie Sponsoren und Manager auf Athleten und den Leistungssport generell
  • die Breite und das Niveau der Talentsuche und die Förderung junger Sportler in Einheit von Sport, Schule und Beruf
  • die Bereitschaft zur Auswertung und Umsetzung des reichen Wissens- und Erfahrungsschatzes des DDR-Leistungssports.

Soweit einige Denkanstöße für Sie und Ihre Facharbeit. Jetzt sind Sie an der Reihe!

P.S.: Zu dem andauernden Abwärtstrend der Mehrzahl der olympischen Sportarten bei den Olympischen Spielen von 1992 bis 2004 braucht man nicht viel anzumerken Die Fakten sprechen für sich: Olympische Sommerspiele 1992 81 Medaillen, 1996 65, 2000 56, 2004 48. Politische Arroganz, Mangel an Fachkompetenz und der ungenügende Wille zu notwendigen Veränderungen haben ihre Folgen!
Ich wünsche Ihnen und Ihren Mitschülern viel Erfolg für die gewiß sehr interessante Seminargruppenfacharbeit. Eine kurze Rückinformation über das Ergebnis würde mich freuen.


Stichworte: Zur zentralen Führung des Leistungssports in der DDR und zu seinem "Einfluß über die Wendezeit hinaus"
Email vom 4.2.2005

Hallo Herr Dr. Roeder,
zunächst einmal noch ein frohes neues Jahr und für das Jahr 2005 viel Erfolg. Und vor allem Gesundheit!
Vielleicht erinnern Sie sich noch an mich: Ich war diejenige, die das DDR-Sportsystem analysierte und zusammen mit zwei weiteren Klassenkameraden die Ursachen für die so überdurchschnittlich gute Leistung erforschte. Die Arbeit haben wir mittlerweile geschrieben und benotet wieder zurück bekommen. Nun gilt es, unsere Ausführungen in Fom eines Kolloquiums mündlich zu verteidigen. Dazu mussten wir Thesen aufstellen, die das Kolloquium umrahmen. Hierzu hab ich mir für meinen Teil folgende Thesen ausgedacht:
-" Der Sport war in der DDR "von oben" her strukturiert"
-" Der Einfluss des DDR-Sportsystems reichte über die Wendezeit hinaus."
Vor allem zur zweiten These ist es schwer, konkrete Informationen zu finden. Vielleicht fallen Ihnen ja spontan Dinge ein, wie ich eventuell das Ganze visualisieren kann. Ich würde mich auf jeden Fall riesig freuen, wenn Sie mir in den nächsten Tagen noch antworten könnten.... Ihr Beitrag hat mir auch damals beim Erstellen des schriftlichen Teils weiter geholfen!! Dafür noch einmal herzlichen Dank!!!

SPORT FREI!


Antwort vom 21.2.2005

Hallo ...,
leider habe ich Ihre E-Mail erst gestern gelesen. Gern hätte ich Ihnen mit einigen Hinweisen geholfen, aber ich bin mir gewiß, dass Sie auch allein Ihre Thesenpräsentation gut gemeistert haben.
Vor allem die zweite These ist doch mit Fakten eindrucksvoll zu belegen. Die Erfolge der Athleten, die aus der Schule des DDR-Sports hervorgegangen sind und die bei den Olympischen Winter- und Sommerspielen von 1992 bis 2004 jeweils die Mehrheit der Medaillen für die deutschen Olympiamannschaften erkämpften, sind wohl der überzeugendste Beweis für die Langzeitwirkung unseres Sportsystems. (Die entsprechenden Fakten ließen sich mit einigem Aufwand hervorragend "visualisieren"). Aber auch die Wirksamkeit der ca. 600Trainer des DTSB, die (von ehemals 4000 Trainern) nach der Wende in den DSB übernommen wurden und die teilweise als Auswahl- oder Bundestrainer ihre Leistungsmaßstäbe, ihre Fachkenntnisse und Erfahrungen eingebracht haben, bestätigen das hohe Ausbildungsniveau des DDR-Sports. Gleiches läßt sich von den heute noch tätigen Sportwissenschaftlern (im Institut für angewandte Trainingswissenschaften in Leipzig), oder den Ingenieuren für Sportgeräteentwicklung (in der Berliner Forschungs- und Entwicklungsstelle) sowie weiteren Spezialisten sagen. Obwohl tausende Fachkräfte des ehemaligen DDR-Sports bewußt ausgegrenzt wurden, hat der heutige deutsche Sport ein "reiches Erbe geschenkt" bekommen mit dem er allerdings aus politischer Arroganz und mangelnden fachlichen Können mehr als schlecht umgegangen ist.
Ihre erste These bedarf meines Erachtens der Erläuterung, ist sie doch mißverständlich. Dabei muß man zwischen dem weitgehend "basisdemokratisch" organisierten Breitensport und dem Leistungssport in der DDR unterscheiden. Natürlich war unser Leistungssport von "oben nach unten" straff durchorganisiert. Wenn man Spitzenleistungen im Sport (und nicht nur im Sport) erreichen will, so bedarf es unausweichlich einer Konzentration und Zentralisation der dafür vorhandenen bzw. zu schaffenden personellen und materiellen Potenzen. Im heutigen Hochleistungssport ist das im Rennsport der Formel 1 und den Konzentrationsprozeßen der dahinter stehenden Autokonzerne sehr anschaulich zu beobachten. Demgegenüber wirkt das von Föderalismus, Vereins- und Personenegoismus, mangelnder Wissenschaftlichkeit und teilweiser Führungslosigkeit geprägte Vorgehen im heutigen BRD-Spitzensport als anachronistisch und weitgehend unwirksam.
Soweit meine erste, sicherlich nicht ganz emotionsfreie Reaktion. Ich wünsche Ihnen für Ihre weitere persönliche und berufliche Entwicklung alles Gute. Und wenn Sie wieder einmal eine Arbeit zum Thema Sport schreiben sollten, bitte senden Sie mir die entsprechende E-Mail etwas früher.

Mit SPORT FREI und vielen weiteren freundlichen Grüßen


Stichwort: Beantwortung von Fragen zweier Schweizer Sportinteressenten zum Thema ihrer Abschlußarbeit "Leistungssport in der DDR"
Email vom 3.1.2008

Sehr geehrter Herr Roeder
Da wir für die Beendigung unserer Lehre …..eine Selbständige-Vertiefungs-Arbeit (kurz SVA) schreiben müssen und wir unser Thema auf den DDR-Leistungssport festgelegt haben, sind wir über das Internet auf Ihre Webseite gestossen und sind dank dieser Seite bestens über unser Thema informiert worden.
Nun ist es aber so, dass ein Teil unserer Arbeit auch ein Interview mit einer Fachperson beinhaltet und da haben wir natürlich sofort an Sie gedacht!
Wir möchten Sie höflichst darum bitten, uns, falls es Ihnen nicht zu grosse Umstände bereitet, ein paar Fragen zum Thema Leistungssport in der DDR zu beantworten...
Vielen herzlichen Dank im Voraus.

Interview

Sehr geehrter Herr Roeder, Sie waren selbst in der DDR tätig sowohl als Sportler wie auch als Betreuer. Welches war ihr schönstes Erlebnis?

Meinen Lebensverlauf und mein Alter berücksichtigend, möchte ich zwei herausheben.

  1. Das Erlebnis der Olympischen Spiele 1988 in Seoul und die Führung unserer so erfolgreichen Mannschaft, die 102 Medaillen erkämpfte und der solche hervorragenden Athletinnen und Athleten wie Kristin Otto (Sportschwimmen), Henry Maske (Boxen), Jochen Schümann (Segeln), Olaf Heukrodt (Kanurennsport) oder Heike Drechsler (Weitsprung) angehörten.
  2. Die Freude und die Befriedigung darüber, dass ich heute mit fast 75 Jahren immer noch zweimal in der Woche zu laufen und nahezu täglich Rückengymnastik zu machen vermag.

Die DDR war auch im Breitensport sehr aktiv. Fast jeder und jede ob jung oder alt war aktiver Sportler, auch wenn das kein Hochleistungssport war. In der heutigen Zeit schauen die Leute lieber zu wie Höchstleistungen vollbracht werden und die Jugend sitzt vor dem Computer. Wie konnten in der DDR die Masse motiviert werden?

Vor allem indem Sport von Kindes- bis zum Seniorenalter als gleichwertiger Teil der Kultur eines Volkes zu einem Anliegen der gesamten Gesellschaft und des Staates erklärt, in der Verfassung sowie in entsprechenden Gesetzen verankert und - ungeachtet mancher materieller Schwierigkeiten - durch ein Netzwerk von Initiativen und Organisationen über mehrere Jahrzehnte praktisch umgesetzt wurde. Die Motivierung der Menschen war meines Erachtens sehr komplex angelegt und umfaßte individuelle, pädagogische, medizinische als auch gesellschaftlich-politische Aspekte. Die Entwicklung der sportlichen Talente und deren Förderung bis hin zum Spitzenathleten waren in diesem Prozeß integriert, wobei dem Leistungssport auch die Aufgabe zufiel, die Motivierung vieler Menschen, selbst aktiv Sport zu treiben, zu befördern. Viele Tausende von Sportlehrern, Übungsleitern (ca. 260 000), Trainern (ca. 4000), Betreuern, Sportwissenschaftlern und -ärzten waren Hauptakteure in diesem Prozeß, der auch von den Medien in vorbildlicher Weise unterstützt wurde.

Was sagen Sie zu den Zwangsdopingvorwürfen die dem DDR-Sportsystem vorgeworfen werden?

Als Antwort füge ich Ihnen eine Ausarbeitung bei, die ich bereits 2002 auf entsprechende Anfragen zu meiner Homepage per E-Mail verfaßt habe. Die seit dieser Zeit in einer Reihe von Sportarten und Ländern aufgedeckten Dopingskandale bekräftigen meine damaligen Ausführungen.
Doping ist ein Attribut des internationalen Sports und hat um keine der im Leistungssport führenden Länder einen Bogen gemacht. Berendonk spricht in ihrem Buch auf Seite 45 offen auch vom Doping-System in der alten BRD. Ich zitiere:

Im Grunde war als Folge der heftigen Doping-Diskussion von 1977 nur der Vertuschungsaufwand erhöht worden. Die für den Sport Verantwortlichen hatten in kurzer Zeit ein komplexes, neues System des illegalen Anabolikadopings geschaffen, an dem auch wieder Sportmediziner diskret rezeptierend mitwirkten,...

Es ist nachgewiesen, daß die Anwendung von Hormonen im Leistungssport in den 50er Jahren im Sport der USA begann, dann auf die westeuropäischen Staaten Übergriff und erst Ende der 60er Jahre auch im Sport sozialistischer Länder Eingang fand. Ich erinnere mich, daß es damals in einer Reihe von Sportarten um die erforderlichen Chancengleichheit der Sportler im Wettbewerb mit den Athleten anderer Länder ging. Hinzu kam, daß die Anwendung von Anabolika bis 1974/75 durch das IOC und die Internationalen Sportverbände nicht verboten war. Eine interne Befragung von Teilnehmern an den Olympischen Spielen in München in der Leichtathletik ergab meines Erachtens das Resultat, daß 68 % der Befragten Anabolika genommen hatten.

Dabei muß man davon ausgehen, daß zu dieser Zeit die Nebenwirkungen dieser Hormone noch relativ unerforscht und im Sport auch weitgehend unbekannt waren. Der medizinisch-wissenschaftliche Erkenntnisstand von heute ist mit dem von damals in keiner Weise vergleichbar! (Heute ist beispielsweise bekannt, daß Viagra insgesamt 108 Nebenwirkungen aufweist). Die vom Anabolika-Hersteller VEB Jenapharm 1974 in der DDR offiziell herausgegebene Ärzte- und Apothekerinformation wies dagegen kaum auf Nebenwirkungen hin und ließ den Einsatz dieser Mittel unter ärztlicher Kontrolle als vertretbar erscheinen. Dabei ist es falsch, zu unterstellen, daß Anabolika in nahezu allen Disziplinen eingesetzt wurden und einen vermeintlich ausschlaggebenden Einfluß auf die Leistungssteigerung hatte. Für den Leistungssport der DDR war stets der wissenschaftlich fundierte Trainingsprozeß das entscheidende Mittel. Nur auf diesem Weg wurde es möglich, daß mehrere Generationen von jungen talentierten Sportlern systematisch zu sportlichen Höchstleistungen geführt werden konnten. Das darzustellen, ist vor allem auch das Anliegen meiner Homepage.

Vom heutigen Wissens- und Erfahrungsstand ausgehend, muß man sich gegen den Einsatz von leistungssteigernden Medikamenten und allen anderen Mitteln, die nachweislich die Gesundheit von Sportlern gefährden können, aussprechen. Das gilt umso mehr, als heute die Anwendung von Dopingmitteln im und außerhalb des Sports ganz andere Dimensionen erreicht hat. Bei allen Fortschritten in der Kontrolle sind im Spitzensport die ermittelten Dopingfälle bekanntlich nur die Spitze eines Eisberges. Noch bedenklicher ist die Situation im Fitnessbereich. Man schätzt die Zahl von Jugendlichen, die in diesem Bereich in Deutschland Anabolika zu sich nehmen, auf 150 000 bis 200000. Wiederum von den USA ausgehend, findet der Einsatz von Hormonen in so genannten "anti-aging"-Programmen auch in Europa und in Deutschland zunehmende Verbreitung. Und auf der am 14. Juni im Bundestag geführten Debatte über ein "Dopingopfer-Entschädigungs-Gesetz" wies „Täve“ Schur darauf hin, daß die Pharmaindustrie in Deutschland jährlich 6 Tonnen an Anabolika produziert, obwohl davon nur 500 bis 600 Kilogramm für medizinische Zwecke benötigt werden. Berechtigt stellte er die Frage, wo der Rest bleibt!

Es wäre zu wünschen, daß der in Deutschland weit verbreiteten Heuchelei und Doppelmoral in Sachen Doping endlich ein Ende gesetzt wird. Nicht die DDR und der DDR-Sport haben das Doping eingeführt, sondern Gewinnstreben, Kommerz und Professionalisierung sind in der heutigen Gesellschaft die Ursachen dafür. Anstatt rückblickend und nach hinten gewandt im Sport der DDR den Schuldigen für das übel Doping zu suchen, und damit von den eigenen dubiosen Dopingpraktiken abzulenken, muß man sich entschieden den Problemen und Gebrechen der Gegenwart zuwenden und aufrichtig ihre Bekämpfung und Bewältigung wollen.

Das DDR-Sportsystem war sehr komplex und war sicherlich zum größten Teil verantwortlich. Wieviel Prozente steigerte das Doping die Leistung nochmals?

Mir sind keine wissenschaftlichen Untersuchungen bekannt, in denen der leistungssteigernde Einfluß von Doping allgemein oder von einzelnen Dopingmitteln wissenschaftlich zweifelsfrei in Prozenten, Zentimetern oder Kilogramm auf die komplexe Wettkampfleistung nachgewiesen wurde. Sportliche Höchstleistungen sind stets das Resultat aller Wesenskräfte eines Menschen, d. h. aller seiner psycho-physischen Fähigkeiten und Eigenschaften. Die Leistung eines gedopten Sportlers kann also durchaus durch besonderes Talent, besseres Training, Steigerungsfähigkeit im Wettkampf, eine ausgeprägtere Antizipationsfähigkeit im Spiel usw. ausgeglichen werden. Im Leistungssport der DDR standen deshalb grundsätzlich das Training, Ausbildung und Erziehung und deren wissenschaftlich gestützte ständige Verbesserung im Mittelpunkt.

Die DDR hat viele Trainingsmethoden entwickelt welche heute zum Standardprogramm für Sportler gelten. Gibt es Ihrer Ansicht nach Trainingsmethoden aus der DDR, welche heute nicht mehr angewendet werden aber auch heute noch in Trainingspläne aktiver Sportler gehören sollten?

Ihre Frage ist schwerlich so allgemein zu beantworten. Viele der nach der Wende im Ausland tätigen Trainer haben meines Wissens ihre im Sport der DDR gewonnenen Erkenntnisse und Erfahrungen erfolgreich anzuwenden versucht. Und sicherlich hat der Sport solcher Länder wie der Schweiz, Österreichs, Frankreichs oder auch Australiens in bestimmten Sportarten oder Disziplinen davon profitiert. Manches erwies sich unter den konkret vorhandenen objektiven und subjektiven Bedingungen als nicht umsetzbar.

In Anlehnung an meine Homepage sehe ich nach wie vor eine ganze Reihe von grundlegenden trainingsmethodischen Wissens- und Erfahrungsbeständen, die den Erfolg unseres Leistungssports prägten. Das gilt beispielsweise für die Durchsetzung eines inhaltlich auf Weltspitzenleistungen gerichteten Trainings auf der Grundlage einer wissenschaftlich gestützten Leistungsstruktur, Leistungsdiagnostik und Trainingsanalyse oder auf die Anwendung einer relativ eigenständigen Trainingsetappe der Unmittelbaren Wettkampfvorbereitung (UWV) vor dem jährlichen Wettkampfhöhepunktes u.a.m.

Insgesamt möchte ich nochmals darauf hinweisen, dass das Erfolgsrezept des DDR-Leistungssports in seinem Systemcharakter bestand, also in der Verflechtung inhaltlicher und organisatorisch-struktureller Elemente, von Trainings- und Wettkampfsystem, von Bildung und Erziehung, von Training und angewandter Forschung, von sportlicher und schulisch/beruflicher Entwicklung, von Talentsichtung und -förderung, von Nachwuchs- und Hochleistungssport.

(Die Beantwortung der schriftlich übermittelten Fragen erfolgte aus technischen Gründen am 8. 1. 2008 per Brief)


Stichwort: Zur gesellschaftlichen Funktion des Leistungssports in der BRD – Zitat von Helmut Kohl
Email vom 1.6.2005

Sehr geehrter Herr Roeder,
ich bin 19 Jahre jung und besuche ein Gymnasium …... Wir haben kürzlich die Aufgabe bekommen unsere Facharbeiten zu schreiben, wir müssen eine 10-15 seitige Facharbeit verfassen zu einem bestimmtem Thema und uns damit auseinander setzen. ….. Ich schreibe meine Facharbeit im Leistungsfach Geschichte und habe folgendes Thema: "Die Politische Rolle des Sports in Ost und West: Beispiel Radsport"
Ich bin bei meinen Suchläufen durchs Internet auf ihre Seite gestoßen und muss sagen, dass ich sehr beeindruckt von ihrer Homepage bin,…..Ich hätte eine Frage an Sie und hoffe, dass Sie mir weiter helfen können. Können Sie mir ein paar konkrete Auskünfte geben, in wieweit der Sport die Politik damals beeinflusste, welche Rolle spielte der Sport in und für die Politik? Da sie ja ein Zeitzeuge sind, hoffe ich sehr auf Ihre Hilfe.

Guten Tag Herr Röder!
Ich möchte mich zuerst einmal bei Ihnen bedanken, dass Sie auf meine E-Mail eingegangen sind und mir einige Hilfen zur Verfügung gestellt haben. Ich wollte meine Arbeit ungefähr so gliedern:


Antwort vom 8.3.2005

Hallo ... ,
gern nehme ich mich in die Pflicht Anfragen, die an mich zum Sport bzw. Leistungssport der DDR gerichtet werden, auch zu beantworten. Dabei komme ich besonders gern den Wünschen junger Leute aus den alten und neuen Bundesländern nach. Mir scheint es wichtig, daß sich Zeitzeugen äußern und jungen Menschen auf Ihre Fragen möglichst authentisch Antwort geben.
Nun zur Sache:

  1. Zur Gliederung würde ich Ihnen empfehlen, die Punkte 2 und 3 zu verbinden und das Entstehen und die Existenz der beiden Gesellschaftssystem und der darauf aufbauenden Blöcke in einem Abschnitt und möglichst im Kontext zum Sport zu behandeln. So kommen Sie schneller zum Thema.
  2. Das Wort Radsport taucht in Ihrer Gliederung nicht mehr auf. Ihre Arbeit würde meines Erachtens origineller und konkreter, wenn Sie (wie von Ihnen ursprünglich angedacht) das Thema möglichst am Beispiel bearbeiten bzw. mit Beispielen einer Sportart verbinden.
  3. Zur Funktion des Sports in der BRD: Verständlicherweise ist mein Einblick in die entsprechende Literatur der früheren BRD bei weitem nicht so tiefgründig wie der in die Sportliteratur der DDR. Dennoch habe ich mich in der Kürze der Zeit bemüht, etwas für Sie ausfindig zu machen. Am 25.10.1995 hielt der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl anläßlich der 25. Sitzung des Kuratoriums der Stiftung Deutsche Sporthilfe eine Jubiläumsrede zum Thema "Die Demokratie braucht Leistungseliten auf allen Ebenen". Zur Rolle und Funktion des Sports führte Kohl u. a. aus:

    "Der Sport mit seinen über 84 000 Vereinen und fast 25 Millionen Mitgliedern gehört zu den Institutionen unseres Landes, die den Menschen Halt und Orientierung geben und ihnen Werte vermitteln. Der Sport und die ihn tragenden Organisationen leisten unverzichtbare Beiträge zur Gesundheit, zur Identifikation mit der Heimat, zur Integration unterschiedlichen Gruppen und Schichten, zur Einübung sozialen Verhaltens und zur Anerkennung des Leistungsprinzips." Und an anderer Stelle : " Wir müssen Mittel und Wege finden, den Spitzensport so zu fördern, daß er international konkurrenzfähig bleibt..." Ich bin überzeugt, unsere Athletinnen und Athleten werden – wie 1992 in Barcelona und 1994 in Lillehammer - auch im kommenden Jahr in Atlanta unser Land erfolgreich vertreten... Die Bundesregierung wird auch künftig den Sport unterstützen und seinen Verbänden ein verläßlicher Partner sein."

    (Zitiert nach DSB-Pressedienst Nr. 45/1995)
    Meines Erachtens hat Helmut Kohl damit die sportpolitischen Grundlinien der Bundesregierung unmißverständlich dargelegt. Der Sport und in Sonderheit der Spitzensport hatte und hat auch in der BRD wichtige gesellschaftspoltische Funktionen. Und er wurde und wird auch in der BRD für soziale, politische,wirtschaftliche, kulturell-erzieherische u. a. Interessen instrumentalisiert ...
  4. Vielleicht können Ihnen 2 Beispiele behilflich sein und Sie zu weiteren Recherchen anregen.
    • Der Boykott der Olympische Spiele 1980 in Moskau durch das Nationale Olympische Komitee für Deutschland (NOK) wurde nachgewiesenermaßen durch die Außenpolitik der BRD und der USA beeinflußt.
    • Besonders in den 60-er Jahren haben der Deutsche Sportbund (DSB) und das NOK aktenkundig vielfache Anstrengungen unternommen um gemäß der "Hallstein-Doktrin" eine Anerkennung des NOK und der Sportverbände der DDRin den internationalen Sportgremien zu unterbinden.
    Weitere Beispiele wären ohne Schwierigkeiten möglich.
    Es gibt keinen unpolitischen Sport/Leistungssport! Das galt sowohl für die BRD als auch für die DDR.

Bitte haben Sie Verständnis, wenn ich an dieser Stelle meinen Exkurs in die Vergangenheit schließe. Ich wünsche Ihnen gute Fortschritte bei der Vorbereitung Ihrer Facharbeit...


Stichworte: Meinungsäußerung zur "Abwicklung" der DHfK und zur "Vereinigung" des deutschen Sports
Email vom 14.9.2004

Sehr geehrter Herr Röder,
bitte senden Sie mir Ihre CD-Rom zu. Ich finde es eine gute Zusammenfassung über den DDR-Sport. Beim Lesen Ihres Lebenslaufes habe ich gesehen, daß wir mal zusammen an einer Hochschule waren. Von 55-57 war ich an der DHfK, im Lehrerbereich Sport und Russisch……1957 bin ich zwar "abgehauen", Mediziner in der BRD geworden, ….., habe aber meine damalige Studienzeit noch in bester Erinnerung und auch Sportmedizin hat mich bis heute nicht losgelassen……übrigens habe ich, noch an der Uni, bei ein wenig Zusammenarbeit über Diplomstudenten, mit der Sporthochschule Köln, immer wieder die sehr gute, systematische Sportliteratur der DDR loben gehört und natürlich auch selber geschätzt.

Ich muß ehrlich sagen, als ich die Nachricht hörte, die DHfK wird geschlossen, hätte ich fast geweint, weil es nun wirklich zu den Dingen gehörte, die einfach gut waren. Für Deutschland ist diese "Vereinigung" wirklich schlecht gelaufen. Es hätte so gut werden können, wenn man von jedem Teil das Gute zusammengefügt und das Schlechte weggelassen hätte. Allerdings war das leider ein Kindertraum, den ich auch kurze Zeit nach der Wende hatte, bis ich sah, daß alles so weiterläuft wie in der bisherigen Weltgeschichte, nämlich nach Machtgesichtspunkten. Diese Einsicht hängt sicher auch mit dem in der DDR gelernten Marxismus zusammen. Jetzt bin ich immer wieder beeindruckt davon, wie eine ganze Generation die Begrifflichkeiten zur Analyse einer Machtstruktur einer Gesellschaft" vergessen" hat. Alle talken und niemand kann eine systematische Analyse machen……All dieses gilt natürlich auch für den Sport und seine Entwicklung, bei dem man, wie in einem Modell, die Zerstörung unserer Gesellschaftsstruktur sehen kann, zwar auf einem hohen technischen Niveau, aber mit vielen strukturell-organisatorischen Analogien (Homologien?) zur Auflösung der DDR.

Entschuldigen Sie die etwas längere Plauderei, die Gedanken wurden angeregt.
Mit freundlichen Grüßen


Antwort vom 27.9.2004

Sehr geehrter Herr ...,
einige Tage außerhalb Berlins, fand ich nach meiner Rückkehr Ihre E-Mail in meinem Postkasten. Ich bedanke mich für Ihr Interesse an meiner Homepage und schicke Ihnen gern ein gewünschtes Exemplar der CD-ROM.

Ihre Äußerungen zur DHfK, zum Sport der DDR und zur deutschen Vereinigung haben mich angeregt und bewegt. Ihre Sichtweise findet Zustimmung und Verständnis, denn auch ich hatte 1989/90 die Illusion, daß man nun beide deutschen Staaten auf den Prüfstand der Geschichte stellen müsse, um daraus wichtige Anstöße für die Gestaltung des neuen, größer gewordenen Deutschlands zu gewinnen. Doch leider! Nach wie vor wird die ehemalige DDR in allen ihren Teilbereichen als marode Erblast betrachtet. Ihr zum Teil reiches Erbe an Wissen und Erfahrungen, an geistig-kulturellen und auch materiellen Leistungen wurde und wird weitgehend ignoriert. Das trifft auch auf den Sport, die Sportwissenschaft und den Leistungssport zu, obwohl in der DDR gerade auf diesem Gebiet über viele Jahre Spitzenleistungen erzielt wurden. Nicht wenige Trainer, Sportwissenschaftler, Sportmediziner und Funktionäre waren damals bereit, sich aktiv in die künftige Gestaltung des deutschen Sports einzubringen. Sie wurden zumeist "abgewickelt" oder "ausgesperrt“. Verbitterung und Distanz waren die Folge.

Was mich anbetraf, so suchte ich mir neue Aufgaben und Tätigkeitsfelder. Der Aufbau einer Homepage und das Schreiben an meiner Autobiografie bereiteten mir Freude und Befriedigung. Besonders über das Internet gewann ich viele neue Kontakte und Brücken zu interessierten Schülern, Studenten und Sportwissenschaftlern innerhalb und außerhalb von Deutschland. Vielleicht vermag ich als Zeitzeuge ein wenig dazu beizutragen, daß die Leistungen der Sportler und des Sports der DDR sachlich dargestellt und gewürdigt werden.

Mit freundlichen Grüßen


Stichwort: Zur Bedeutung des Sports und zur Motivation von Spitzensportlern
Email vom 2.3.2006

Sehr geehrter Herr Röder,
Im Rahmen des sogenannten Seminarfachs sollen wir eine wissenschaftliche Arbeit zu einem selbstgewählten Thema schreiben. Das Thema meiner Gruppe heißt "Olympiasieger und Weltmeister - made in Apolda". Dabei gehen wir auf drei Sportler ein, die ihre Erfolge in der DDR hatten ( Wolfgang Hoppe, Siegrun Siegl, Hartmut Reich ). Aus diesem Grund behandeln wir auch den Sport in der DDR. Meine spezielle Anfrage an Sie ist, welche Bedeutung der Sport, aus Ihrer Sicht, in der DDR für die Sportler selbst hatte. Wir wären Ihnen sehr dankbar für Ihre Informationen.


Antwort vom 5.3.2006

Guten Tag,
habe Ihre E-Mail erhalten und bedanke mich für Ihr Interesse an meiner Homepage. Die Wahl Ihres Seminarthemas im Kontext zu den drei Sportlern, die mir persönlich bekannt und noch gut in Erinnerung sind, gefällt mir sehr. Und als ehemaliger Naumburger bin ich gern bereit, Ihre Frage aus meiner Sicht zu beantworten.

Sofern Sie die Möglichkeit haben sollten die drei Athleten zu interviewen, werden Sie wahrscheinlich spüren, daß deren Antwort auf Ihre Frage, welche Bedeutung der Sport für sie hatte, sehr unterschiedlich sein kann. Ihr Weg und ihre Motive, Sport zu treiben sind bzw. waren ganz gewiß unterschiedlich und individuell verschieden. Insofern ist es schwer eine allgemeine, für alle Sportler der ehemaligen DDR gültige Antwort zu geben.

Was den Sport allgemein betrifft, so war die Freude an der Bewegung, am Sport und Spiel für die Mehrzahl der in der DDR Sporttreibenden gewiß eines der hauptsächlichsten Gründe. Bei älteren Menschen spielte sicher auch das Interesse an ihrer Gesundheit, an der Vorbeugung oder auch an der Wiederherstellung nach Krankheit eine wichtige Rolle.

Was den Leistungssport und den auf Spitzenleistungen orientierten Athleten anbetrifft, so stand am Anfang zumeist das Interesse, die Begeisterung, ja die Liebe für eine bestimmte Sportart. Oft war es auch das Motiv, sich mit anderen messen zu wollen, Erster im Wettbewerb zu werden oder die Grenzen ihrer eigenen Leistungsfähigkeit auszuloten. Sportliche Vorbilder spielten für viele Mädchen und Jungen in der DDR eine oft ausschlaggebende Rolle. Später kamen solche Beweggründe hinzu, an der Zentralen Spartakiade teilnehmen zu wollen, bei Europa- oder Weltmeisterschaften zu starten, ins Ausland reisen zu können und hervorragende Leistungen für sich, für den Sportclub und das Heimatland zu erstreben. Meine Erfahrungen besagen, daß die Ausprägung möglichst vielgestaltiger Motive - individueller, kollektiver und gesellschaftlich-politischer - für die besten Sportler der DDR charakteristisch war. Das schloß ganz persönliche Gründe (ideelle und materielle) ein wie ebenso den Wunsch, für seinen Club, für seine Heimatstadt und für den Staat, der ihn in vieler Weise sportlich, schulisch und beruflich förderte, höchste Leistungen anzustreben. Trainer, Betreuer und Leiter des Sports haben diese Vielfalt und Verflechtung von Motiven als wichtig und sehr leistungsfördernd betrachtet und sie in ihrem Zusammenwirken mit den Sportlern bewußt gefördert.

In meiner Homepage habe ich mich im Abschnitt "Oympiade 1968 - 1972" auch dazu geäußert. Vielleicht schauen Sie sich diesen Teil, in dem ich zur Motivierung unserer Leistungssportler in Hinblick auf die Spiele 1972 in München Stellung nehme, nochmals an.

Für Ihre Seminararbeit wünsche ich Ihnen viel Erfolg. Und seien Sie stolz auf Ihre Heimatstadt Apolda aus der solche hervorragenden Sportler wie Wolfgang Hoppe, Siegrun Siegl und Hartmut Reich hervorgegangen sind.


Stichwort: Zur Vorbildfunktion von Spitzensportlern
Email vom 7.10.2004

Sehr geehrter Herr Röder,
mein Name ist ….., ich bin 18 Jahre alt und besuche zur Zeit das Gymnasium. Ich hätte bezüglich meiner Seminarfacharbeit deren Titel "Sportförderung in der DDR- Einfach nur übertrieben"?! lautet ein paar Fragen an sie. Ich wende mich an sie da ihre Internetseite mir und meinen Gruppenmitgliedern schon sehr geholfen hat und uns Aufschluss brachte. Mein Teil der Arbeit lautet "Stellung des Sports und der Sportler in der Gesellschaft".

Ein weiterer Unterpunkt lautet "Die Radikalisierung des Sports und die Auswirkungen auf Menschen und Gesellschaft". Zu diesem Punkt ist es schwierig geeignetes Material bzw. Literatur zu finden und meine Gedanke war , dass sie möglicherweise ein paar Angaben dazu machen könnten und oder mir Literatur vorschlagen könnten.

Des weiteren würde mich noch interessieren ob die Sportler der damaligen DDR eine gewisse "Vorbildfunktion" hatten!? Ich würde mich freuen von Ihnen zu hören und wäre sehr dankbar für Ihre Informationen.


Antwort vom 25.10.2004

Guten Tag ...,
leider komme ich erst heute dazu auf Dein E-Mail vom 7. Oktober zu antworten. Das liegt u.a. auch daran, daß ich zur Zeit nahezu täglich E-Mails zu meiner Homepage erhalte. Das freut mich natürlich einerseits. Auf der anderen Seite fehlt es mir an der Zeit alle Anliegen gründlich zu recherchieren und zu beantworten. So geht es mir leider auch mit Deiner E-Mail.

Zur Problematik "Radikalisierung des Sports" bin ich auf Anhieb nicht in der Lage Dir mit Literaturangaben zu helfen. Im Internet wirst Du dazu kaum etwas finden. Ich empfehle Dir eine Anfrage bei der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften der Deutschen Sporthochschule in Köln - E-Mail Sportwiss@dshs-koeln.de bzw. zb-sport.dshs-koeln.de.

Zur Stellung des Sports und damit auch der Sportler habe ich mich - was den Sport in der DDR anbelangt - ausführlich im Kapitel über "Funktionen und Ziele, Grundlagen und Wirkfaktoren des Leistungssports..." der Homepage geäußert. Natürlich zielte unsere Arbeit und Zusammenarbeit mit unseren Sportlern auch darauf, daß sie als Vorbild für andere, insbesondere für den sportlichen Nachwuchs wirkten. Sie mußten keine Superstars oder gar Helden sein mit denen die Massenmedien heute ihren "Rummel" treiben und die man nach Erfolgen "in den Himmel hebt", um sie bei Niederlagen zu verdammen. Unsere Leistungssportler sollten Persönlichkeiten sein, die mit ihren sportlichen Leistungen und in ihrem Verhalten als Vorbild für viele andere ausstrahlten.


Stichwort: Förderung junger Leistungssportler am Beispiel Radsport
Email vom 21.11.2005

Sehr geehrter Herr Horst Roeder,
ich bin Schüler in Gera und gehe zur Zeit in die 11. Klasse. Im Rahmen der 11. und 12. Klasse müssen wir eine Seminarfacharbeit erstellen, die wir dann in einer Art Referat vor Lehrern und anderen Schülern verteidigen sollen.

Unser Thema ist: "Die Förderung junger Leistungssportler in der DDR am Beispiel von ausgewählten Personen des Radsports aus Gera."

Aufgrund meiner Recherche im Internet bin ich auf ihre Homepage gestoßen und war überaus begeistert über die Fülle von Informationen auf ihrer Seite, die auch auf unser Thema anwendbar sind.

Aus diesem Grund wollte ich Sie fragen, ob es möglich wäre, dass Sie uns einige wichtige Fakten für unser Thema zukommen lassen könnten?


Antwort vom 25.11.2005

Guten Tag ...,
Deine E-Mail habe ich mit Interesse gelesen. Und gern bin ich bereit - wie auch bislang vielen anderen Schülern - Dir mit Hinweisen oder Fakten zum Thema Sport und Leistungssport in der DDR behilflich zu sein. Dabei wäre es für mich leichter gewesen, wenn es von Dir schon eine Art Konzept zu dem angeführten Thema Eurer Arbeit gäbe. Vielleicht vermögen folgende Hineise zu Eurem Vorhaben nützlich sein:

  1. Auf Grund unserer Erfahrungen gehe ich davon aus, daß sich auch die Mehrheit der erfolgreichen Radsportler des ehemaligen Bezirkes Gera über den von mir ausführlich beschriebene Auswahl- und Förderweg im Leistungssport der DDR bis zur internationalen Spitze entwickelt hat. Sie wurden zumeist über die so genannte "Einheitliche Sichtung und Auswahl" (ESA) in den Schulen oder durch die Spartakiadewettkämpfe entdeckt, begannen danach das Training in den Trainingszentren, wurden bei entsprechenden Leistungen in die KJS des Bezirkes delegiert und entwickelten sich über den betreffenden Sportclub (SG Wismut Gera) und die Auswahlmannschaften des Sportverbandes (hier Deutscher Radsportverband der DDR) bis zum Spitzenathleten. Die entsprechenden Zahlen (z. B. daß über 80 % aller Jungen und Mädchen in den 3. Klassen durch die ESA in den Schulen gesichtet wurden oder daß zwischen 10 bis 11 Tausend talentierte Schüler in den KJS systematisch trainierten) findest Du in meiner Homepage.
  2. Um die Zahl der auszuwählenden Radsportler für Eure Arbeit zu vergrößern, empfehle ich, evtl. auch zusätzlich zu den besten Radsportlern aus Gera auch erfolgreiche Rennfahrer aus Erfurt mit zu berücksichtigen. Ein Blick in das Teilnehmerverzeichnis der DDR-Olympiamannschaft 1988 zeigte mir, daß aus Gera damals lediglich Olympiasieger Olaf Ludwig und aus Erfurt Mario Kummer, Maik Landmann und Uwe Preißler Mitglied unserer Mannschaft waren.
  3. Mit konkreten Angaben zu einzelnen Sportlern vermag ich Euch nicht zu helfen. Ich verweise auf "Das große Lexikon der DDR-Sportler", in dem der Autor Volker Kluge die 1000 populärsten Sportler aus der DDR vorstellt. Weiter empfehle ich Dir bzw. Deinen Mitautoren über das Internet die E-Mailadressen von Olaf Ludwig und Mario Kummer (beide sind ja bekanntlich in der Führung der Profimannschaft von Telekom tätig) u.a. zu erkunden, um auf diese Weise Details ihrer Laufbahn zu gewinnen.

Soweit in aller Kürze einige Hinweise.
Natürlich wünsche ich Dir und Deinen Mitschülern für Eure Seminarfacharbeit viel Erfolg.

Email vom 25.11.2005

Guten Tag...,
als erstes möchte ich mich schon einmal für Ihre Informationen bedanken.
Mich freut es zu hören, dass Sie uns mit Ihrem Wissen behilflich sind.

Wir möchten unsere Arbeit unter folgenden Punkten bearbeiten: 1. Sport Radfahren, 2. Unterbringung der Sportler (Schule und Internat), 3. finanzielle Unterstützung, im besonderem durch den Staat, 4. Training der Sportler... Diese Punkte sollen speziell an einer Person des DDR-Radsports beschrieben werden und dessen Karrierelaufbahn zeigen. Außerdem wollten wir gern ein Interview mit einer betroffenen Person führen. Hätten Sie Vorschläge für andere (vielleicht besser geeignete) Gliederungspunkte? Und könnten Sie uns dazu (wenn möglich) weitere Informationen zukommen lassen? Ich würde mich sehr darüber freuen wieder von Ihnen zu hören und bin schon jetzt auf Ihre Antwort gespannt.


Antwort vom 6.12.2005

Hallo ...,
einige Tage außerhalb Berlins, komme ich erst jetzt dazu auf Deine E-Mail vom 25.11. zu reagieren.

Aus meiner Sicht einige Anregungen zu der von Dir angebotenen Gliederung Eurer Seminarfacharbeit.

  1. Zur Stellung der Sportart Radsport im Sport der DDR
    (Tradition und Besonderheiten: Popularität, Friedensfahrt, Erfolge, olympische und nichtolympische Disziplinen u. a.)
  2. Kurzbiographie des/der ausgewählten Radsportler aus Gera (wenige Personal- und Leistungsdaten)
  3. Zur sportlichen Entwicklung und Förderung
    • Grundsatz: Training und Wettkampf als Hauptprozesse der sportlichen Entwicklung und Förderung
    • Evtl. Sichtung und Förderung durch Kinder- und Jugendspartakiade und Trainingszentrum (TZ)
    • Förderung und Entwicklung in der SG Wismut Gera (Sportclub in engem Zusammenwirken mit der KJS)
    • Entwicklung und Förderung als Mitglied der Auswahlmannschaften (Junioren- oder Seniorenauswahl des Sportverbandes)
  4. Zur schulischen Förderung
    • Grundsatz: Einheit von Schule und Sport, von Unterricht und Training - Förderung in der KJS (Klassenstruktur nach Sportarten, exakte Abstimmung zwischen Training, Wettkampf und Unterricht und Prüfungen, Gruppen- und Einzelunterricht)
    • Evtl. Schulzeitstreckung am konkreten Beispiel des/der ausgewählten Sportler
  5. Zur berufliche Förderung als Student, Lehrling oder Berufsanfänger
    • Grundsatz: Solide Berufsausbildung jedes jungen Leistungssportlers bei zeitweiligen Primat der leistungssportlichen Karriere
    • Abhängig vom betreffenden Sportler als Student, Sportstudent, Lehrling darstellen
  6. Evtl. Weitere spezielle Maßnahmen der ideellen, finanziellen und materiellen Förderung durch den Sportverband, den DTSB ,das Staatssekretariat für Körperkultur und Sport, die Regierung.

Generell solltet ihr beachten, daß Förderung im Sport der DDR stets ein sehr komplexe Anliegen war. Es erfolgte grundsätzlich im engem Zusammenhang von individuellen und generellen, von sportlichen und schulischen/beruflichen, von ideellen und materiellen Maßnahmen. Eine Überbewertung finanzieller Faktoren oder von staatlichen Maßnahmen, wie aus der von Dir übermittelten Gliederung evtl. abzuleiten ist, entspräche nicht unserer realen Arbeit und dem ausgesprochenen Systemcharakter des Leistungssports in der DDR.

Die Absicht, einen ehemaligen Radsportler aus Gera für ein Interview zu gewinnen, ist sehr zu begrüßen. Die Einschränkung der Arbeit auf lediglich einen Athleten halte ich nicht für optimal. Sie begründet sich gewiß aus den für Euch gegebenen zeitlichen und inhaltlichen Möglichkeiten, die man natürlich respektieren muß.


Stichwort: Nominierung für die 3. Förderstufe
Email vom 29.1.2006

Sehr geehrter Herr Röder,
ich besuche die 12. Klasse ….., wie üblich muss jeder Schüler im Laufe des Schuljahres ein Fachreferat abhalten. Mein Thema ist die Bedeutung des Sports für Jugendliche in der DDR.

Ihre Seite erwies sich als wahre Fundgrube, somit bin ich mit meinem Fachreferat schnell und gut vorangekommen, dennoch habe ich nun eine Frage zum Förderstufensystem der DDR.

Ich würde gerne von Ihnen wissen, was es mit der Nominierung für die 3. Förderstufe auf sich hat.

Von wem musste man nominiert werden um in den Kader aufgenommen zu werden?

Mein Referat muss ich am Donnerstag halten, es wäre sehr nett wenn ich von Ihnen bis dahin eine Antwort erhalten würde. Vielen Dank im Voraus.


Antwort vom 30.1.2006

Guten Abend ...,
da Sie mit Ihrem Fachreferat in Zeitnot sind, antworte ich Ihnen sogleich. Unter "Nominierung für die 3. Förderstufe" verstand man im DDR-Sport die jährliche namentliche Benennung der zu den Nationalmannschaften in der jeweiligen Sportart gehörenden Athleten. Die Verantwortung dafür trugen die Leitungen der betreffenden Sportverbände. Zu dieser dritten und höchsten Stufe unseres Fördersystems gehörten die besten Spitzenathleten im Senioren- sowie im Juniorenbereich der Sportart. Sie wurden (wiederholt oder erstmalig) in die Nationalmannschaft bzw. in die Juniorenauswahlmannschaft der Sportart aufgenommen. Damit verbunden war auch eine komplexe sportliche , schulische bzw. berufliche Förderung der ausgewählten Athleten. Soweit in aller Kürze. Ich bedanke mich für Ihr Interesse an meiner Homepage und drücke Ihnen die Daumen für Ihr Fachreferat.


Stichwort: Gesellschaftliche Förderung von Leistungssportlern nach Karriereende
Email vom 9.5.2005

Hallo, mit großem Interesse habe ich ihre website gelesen.
Könnten sie mir einige Auskünfte geben, wie DDR - Leistungssportler vor allem nach der sportlichen Karriere behandelt wurden, wie ihre soziale Stellung war? Ich studiere Sportwissenschaften und erarbeite z. Z. ein Referat über Sozialisation im Leistungssport, in dem ich Unterschiede von heute und der DDR besonders hervorheben will... nun fehlen mir noch ein paar Infos?
Ich wäre Ihnen sehr dankbar für einige markante Informationen.


Antwort vom 10.5.2005

Hallo Herr ...,
Ihre E-Mail habe ich mit Interesse zur Kenntnis genommen. Das von Ihnen genannte Referatsthema betrifft einen wichtigen Aspekt des heutigen Leistungssports, den ich in meiner Homepage aus verschiedenen Gründen lediglich marginal angesprochen habe. In der Tat stellte die soziale Absicherung der Leistungssportler in der DDR im Komplex mit anderen Wirkfaktoren eine wichtige Ursache für die langjährig erfolgreiche Entwicklung unseres Sportsystems dar.

Dazu drei Thesen in aller Kürze:

  • Diese gesellschaftliche Förderung war umfangreich gesetzlich gewährleistet und ermöglichte eine optimale Verknüpfung von Sport, Schule und Beruf. Im Gegensatz zu dem heute weitgehend professionell betriebenen HochLeistungssport zielte sie nicht nur auf die im Blickpunkt der Öffentlichkeit stehenden Sportarten und deren Spitzenathleten, sondern neben den erfolgreichen Sportlern auch auf einen relativ großen Kreis von Anschluß- und Nachwuchskadern. Sie umfaßte die schulische und berufliche Ausbildung der Sportler als Kernstück, ermöglichte ihnen, entsprechend ihren Fähigkeiten und Interessen, eine berufliche Perspektive und half ihnen bei der Eingliederung in das Berufsleben.
  • In einen Artikel von Christian Oppel "Die soziale Absicherung der Leistungssportler in der DDR" finden Sie die entsprechenden gesetzlichen Bestimmungen sowie eine Vielzahl von Fakten und Zahlen zur staatlichen Förderung der Leistungssportlerinnen in der DDR. (Heft 18/2004 der Schriftenreihe "Beiträge zur Sportgeschichte", Spotless-Verlag Berlin, E-Mail: verlag@spotless.de, ISBN-3-933544-93-9).
  • Was die konkrete berufliche Entwicklung der besten DDR-Sportler betrifft, so verweise ich Sie auf das von dem bekannten Sportjournalisten Volker Kluge verfaßte "Große Lexikon der DDR-Sportler" in dem er die "1000 erfolgreichsten und populärsten Sportler aus der DDR, ihre Erfolge und Biographien" darstellt.(Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag Berlin, E-Mail: info@schwarzkopf-schwarzkopf.de, ISBN 3-89602-348-9). Sie finden dort auch Angaben über die Qualifikation und die erfolgreiche berufliche Karriere der großen Mehrheit dieser Sportler. Meines Erachtens auch ein eindrucksvoller Beleg für die umfangreichen beruflich-sozialen Entfaltungsmöglichkeiten der Sportler unter den gesellschaftlichen Bedingungen der DDR. Ärzte, Ingenieure, Sportmediziner und -wissenschaftler, Lehrer und Kindergärtnerinnen, Diplomsportlehrer und Trainer sind wahrscheinlich am häufigsten vertreten. Allerdings wird auch ersichtlich, daß relativ viele der als Trainer und Sportlehrer ausgebildeten Spitzenathleten der DDR nach der Wende nicht die Chance hatten bzw. erhielten, ihr Wissen und ihre Erfahrung dem Sport in Deutschland zur Verfügung zu stellen. Ein Zeichen für den inzwischen eingetretenen Wandel in der gesellschaftlich-staatlichen Förderung des Leistungssports und der Leistungssportler und gewiß auch ein Glied in dem Bündel von Ursachen für den Absturz des deutschen Leistungssports in den vergangenen Jahren!

Viel Erfolg für Ihren Vortrag.


Stichwort: Motive und Werte des Trainers
Email einer Forschungspraktikantin vom 4.8.2005

Sehr geehrter Herr Röder,
bei meinem Recherchen im Internet zum Thema Sport, bin ich auf Ihre Seite gestoßen und möchte Sie um Hilfebitten. Ich bin z. Z. an einem Projekt beteiligt, dass sich unter anderem mit Psychosozialer Anpassung und weltanschaulichen Orientierungen durch die Partizipation an Sportvereinen beschäftigt. Momentan bin ich auf der Suche nach theoretisch fundierten Befunden zu folgenden Fragen:

  1. Vermitteln Leiter/Trainer Weltanschauungen/Werte? (Wenn ja, welche?)
  2. Welche Weltanschauungen haben Leiter/Trainer selbst?
  3. Welche Ziele, Motive, Gründe und Visionen haben Leiter/Trainer für ihre Tätigkeit?

Besonders die letzte Frage beschäftigt mich sehr. Kennen Sie eventuell Studien zu diesem Thema? Was sind ihre Erfahrungen? Oder kennen Sie vielleicht weiterführende Literatur zu diesem Thema?

Ich würde mich sehr über eine Antwort von Ihnen freuen, auch wenn Sie mir nicht weiterhelfen können.


Antwort vom 8.8.2005

Guten Tag ...,
ihre E-Mail vom 4. August habe ich mit Interesse gelesen. Bitte haben Sie Verständnis dafür, wenn es mir im Rahmen einer E-Mail (d. h. in einer für dieses Medium typischen Kürze) nicht möglich ist auf Ihre Fragen näher einzugehen. Eine genauere Abgrenzung der von Ihnen verwendeten Begriffe (z.B. welche Kategorie von Leiter im Sport meinen Sie?) und gestellten Fragen erscheint zudem wünschenswert. Nach meiner Erfahrung beeinflussen vor allem drei Wirkungsfaktoren wesentlich die Wertvorstellungen eines im Leistungssport tätigen Trainers:

  • der spezifische Charakter der Ausbildung, Erziehung und pädagogischen Führung von Sportlern bzw. Sportmannschaften (Begeisterung und Liebe zur Sportart/Disziplin, Leistungsstreben, Fähigkeit zu kommunizieren, zu überzeugen und Konzepte durchzusetzen, Teamfähigkeit u. a.)
  • die im internationalen Sport weitgehend allgemeingültigen Regeln und Wertvorstellungen (Anerkennung und Einhaltung von Regeln und Normen des Wettkampfes, Achtung des sportlichen Gegners, Fairness im weitem Sinne)
  • die in dem konkret gegebenen gesellschaftlichen System vorherrschenden Werte und Anschauungen (z. B. das Verständnis von Demokratie, Freiheit und sozialer Gerechtigkeit, die Haltung zu andersdenkenden und andersartigen Menschen - Geschlecht, Hautfarbe, Religion - u. a.). Auf den unterschiedlichen Grad der Voraussetzungen und der Bereitschaft des Einzelnen zur Verinnerlichung dieser Ansprüche und Werte sei an dieser Stelle nur hingewiesen.

Am Ende ein aktueller, für Ihre Projektarbeit interessanter Literaturhinweis:
Im Heft 6 der Schriftenreihe "Sport.Leistung.Persönlichkeit" beschreiben 18 Spitzentrainer des Sports der DDR ihre seit1990 gesammelten Erkenntnisse und Erfahrungen. (GNN-Verlag, Badeweg 1, 04435, Schkeuditz, ISBN 3-89819-194-X).

Mit freundlichen Grüßen und guten Wünschen für Ihr Studium


Stichwort: Zur prognostischen Zuverlässigkeit von Rahmentrainingsplänen (im Radsport)
Email vom 16.5.2004

Sehr geehrter Herr Röder,
mit großem Interesse habe ich Ihre Homepage gelesen. Derzeit schreibe ich meine Abschlussarbeit an ... zur Erlangung des MA im Hauptfach Sportwissenschaften zum Thema der prognostischen Validität von Rahmentrainingsplänen. Da in der DDR hier herausragende Arbeiten zu diesem Bereich insbesondere in der Sportart Radsport getätigt wurden, würde ich sehr gerne einige Arbeiten zu diesem Thema lesen. Können Sie mir bitte eine Möglichkeit aufzeigen an Diplomarbeiten und Veröffentlichungen aus der ehemaligen DDR zu kommen? Vielen Dank für Ihre Mühen.


Antwort vom 19.5.2004

Hallo Herr ...,
für Ihr Interesse an meiner Homepage bedanke ich mich. Gern versuche ich Ihnen für die Literaturrecherche zu Ihrer thematisch interessanten Abschlußarbeit einige Hinweise zu geben.

  1. Die in Leipzig herausgegebene Schriftenreihe "Sport. Leistung. Persönlichkeit" vermittelt im Heft 3 (ISBN 3-89819-144-3) einen guten Einblick in die Problematik der Leistungsstruktur, der Trainingsplanung und der Trainingssteuerung im Sport der DDR. Sie können das Heft bei dem Redakteur Dr. Ulrich Pfeiffer (E-Mail: elite-redaktion@t-online.de, Tel.: 0341-9469392) bestellen bzw. kaufen. Dr. Pfeifer könnte Ihnen sicherlich auch mit weiteren Hinweisen behilflich sein und Ihnen evtl. die Adressen des früheren Leiters der Forschungsgruppe Radsport, Prof. Dr. Junker, oder des Leiters des Wissenschaftlichen Zentrums (WZ) im Radsportverband der DDR, Wolfgang Taubmann, vermitteln.
  2. Nach meiner Ermessen sind die Ergebnisberichte und Arbeitsmaterialien der o. g. Forschungsgruppe und des WZ durch das Leipziger Institut für angewandte Trainingswissenschaften (IAT) übernommen worden. In der dortigen Bibliothek würden Sie sicherlich im Detail zu Ihrer Thematik fündig werden. Die E-Mailanschrift ist iatbib@iat.uni-leipzig.de.

Soweit einige Hinweise. Neugierig auf die Ergebnisse Ihrer Arbeit würde ich mich freuen, wenn Sie mich in geeigneter Form (Thesen, Ergebniszusammenfassung) informieren würden.

Mit guten Wünschen an Sie und für Ihre Abschlußarbeit


Stichwort: Mentales Training im Sport der DDR
Email vom 25.1.2006

Sehr geehrter Herr Prof. Röder,
auf der Suche nach Hinweisen für meine Diplomarbeit bin ich auf Ihre Homepage gestoßen, die ich sehr interessant finde. Ich bin Sportstudentin an der DSHS Köln und schreibe momentan meine Diplomarbeit über Mentales Training. Die Arbeit mit dem Titel „Wie kam es zum ,mentalen Boom’ im Sport? Entstehung, Entwicklung und Anwendung mentaler Trainingsformen“ skizziert den Werdegang des vorstellungsbetonten mentalen Trainings, beginnend bei den Versuchen des sowjetischen Sportpsychologen PUNI zum ideomotorischen Training und die Anfänge im angloamerikanischen Raum, über die Weiterentwicklung und Ausdifferenzierung mentaler Trainingsformen bis hin zur heutigen Anwendung in verschiedenen Bereichen des Sports.

Nun möchte ich Sie fragen, ob Sie mir aufgrund Ihrer breiten und langjährigen Erfahrung in einem Punkt vielleicht Auskunft geben können. Es geht um die Frage, ob das mentale Training (vor allem das ideomotorische Training) im Spitzensport der ehemaligen DDR eine Rolle gespielt hat, bzw. welche Bedeutung solchen Methoden beigemessen wurde Ich meine, gehört zu haben, dass nach sowjetischem Vorbild auch solche psychologischen Trainingsverfahren berücksichtigt wurden, weiß bislang aber leider noch nichts Genaueres und habe diesbezüglich leider auch noch keine aussagekräftigen Quellen gefunden.

Vielleicht haben Sie einen Hinweis? Ich würde mich sehr freuen, von Ihnen zu hören und verbleibe mit freundlichen Grüßen


Antwort vom 30.1.2006

Guten Tag ...,
Ihre E-Mail habe ich erhalten und mit Interesse zur Kenntnis genommen.

Natürlich nahm im Rahmen der wissenschaftlichen Durchdringung des Trainings- und Wettkampfsystems auch das mentale bzw. ideomotorische Training im Leistungssport der DDR einen wichtigen Platz ein. Ihre Annahme ist richtig, daß erste Impulse bereits in den fünfziger Jahren von der sowjetischen Psychologie und Sportpsychologie ausgingen, die den psychischen Prozeßen, wie Empfindung, Wahrnehmung, Vorstellung, Erfahrung und Gedächtnis eine zentrale Rolle in Lehre und Forschung zumaßen. So vermittelten uns sowjetische Sportwissenschaftler und Trainer erste Impulse. Als damals aktiver Leichtathlet nahm ich bereits 1954 an einem Trainingslehrgang teil, in dem uns der Moskauer Sportmethodiker Professor Markow mit neuen theoretischen und praktischen Ansätzen des leichtathletischen Wurftrainings vertraut machte. Ich erinnere mich noch, daß er uns gleichrangig zum praktischen Training, vor allem theoretisch unterrichtete, intensiv mit Film- und Bildmaterial arbeitete und jedem Sportler Bildreihen seines Bewegungsablaufes übergab, die wir über unserem Bett anbringen und vor dem Einschlafen eingehend betrachten sollten. Wir waren gelehrige Schüler und entwickelten in den Folgejahren im Sport der DDR das mentale bzw. ideomotorische Training sportartgerichtet weiter. Besonders in den so genannten technisch-akrobatischen Disziplinen (wie Geräteturnen, Wasserspringen, Eiskunstlaufen, aber auch im Rennschlittensport und im Bobsport) spielte das Vorstellen und Durchdenken, das sprachliche Formulieren und gedankliche Durchspielen motorischer Handlungen eine unverzichtbare Rolle. Wiederum unterschiedlich in den einzelnen Sportarten fanden auch Formen des Trainings der Selbstkontrolle. der Psychoregulation und der Entspannung Anwendung. Mit der schrittweisen Entwicklung eines computergestützten Trainings in den achtziger Jahren boten sich schließlich neuartige Ansätze für die Vorbereitung, Ausführung, Kontrolle und Korrektur von Bewegungsabläufen. Turnen hatte dabei eine gewisse Vorreiterfunktion. Wie Ihnen sicherlich bekannt ist, mußten diese wie auch viele andere erfolgversprechende Forschungs- und Arbeitsansätze durch die vor allem politisch motivierte Abwicklung der DHfK und des FKS abgebrochen werden. Der entstandene Schaden ist für die Sportwissenschaft und -praxis in Deutschland und darüber hinaus ganz erheblich und nicht ersetzbar.

So viel in aller Kürze.
Detaillierte Literaturangaben vermag ich Ihnen "auf Anhieb" nicht zu vermitteln. Ich verweise auf Sportpsychologen der DHfK sowie des Forschungsinstituts in Leipzig, wie P. Kunath, W. Doil und R. Mathesius und füge Ihnen für entsprechende Recherchen die Internetadresse des Instituts für Angewandte Trainingswissenschaft (IAT) in Leipzig www.iat.uni-leipzig.de. und die E-Mailanschrift der Bibliothek bei: iatbib@iat.uni-leipzig.de bei. Für Ihre Diplomarbeit wünsche ich Ihnen viel Erfolg.


Stichwort: Zur Unterdruckkammer Kienbaum
Email vom 16.10.2002

Sehr geehrter Herr Roeder,
bei der Suche im Internet bin ich auf Ihre Homepage ueber den Leistungssport in der DDR gestossen, welche mich sehr beeindruckt hat. Ich selbst stamme aus….. und habe an der dortigen Sportschule aktiv Skilanglauf getrieben. Auch jetzt noch ist der Skilanglauf, Sport im allgemeinem und die Liebe zu den Bergen meine grosse Leidenschaft. Das liegt wohl in der Familie. Beide Elternteile betrieben ebenfalls aktiv Wintersport,….. Ich war von 1998-2001 als Aerztin in der Abteilung Sportmedizin/Sportphysiolgie an der Universitaet….. taetig und habe waehrend dieser Zeit viele Studien mit Athleten durchgefuehrt. Besonders habe ich mich mit dem Training in der Hoehe befasst und dabei….. mehrere Hoehentrainingslager betreut. Derzeit habe ich ein Forschungsstipendium. Nun bin ich ….. vom Editor des Journals "High altitude medicine & biology"….. eingeladen worden, einen Uebersichtsartikel ueber die Unterdruckkammer Kienbaum mit ihren Forschungsergebnissen zuschreiben. Entstanden ist die Idee bei den Nachforschungen ueber die Geschichte der Forschungarbeiten unter kuenstlich hypoxischen Bedingugen. Wir sind ueberzeugt, das es sehr interressant sein wuerde die umpfangreichen Erkenntnisse, die waehrend dem langjaehrigen Einsatz der Unterdruckkammer Kienbaum gesammelt wurden, wissenschaftlich aufzuarbeiten und neu zu bewerten. Nun moechte ich gerne bei Ihnen anfragen, ob Sie uns zu diesem Thema Hinweise geben und gegebenenfallsInstitutionen oder Kontaktpersonen vorschlagen koennten. Als ersten Schritt haben wir mit einer Literatursuche beim IAT-Leipzig begonnen. Ueber Hinweise ihrerseits wuerden wir uns sehr freuen. Vielen Dank fuer Ihre Bemuehungen!


Antwort vom 20.10.2002

Guten Tag Frau ...,
für Ihr E-Mail vom 16.10. bedanke ich mich. Mit besonderem Interesse habe ich die Schilderung Ihrer persönlichen und beruflichen Entwicklung gelesen. Es ist schon sehr bemerkenswert, wie unterschiedlich sich der Werdegang vieler junger, mit dem Sport der DDR verbundener Menschen nach der Implosion der DDR als Staat gestaltet hat. Ich wünsche Ihnen auf diesem Weg weiterhin Zufriedenheit und Erfolg.

Was Ihre Fragen zur Unterdruckhalle in Kienbaum und zu den unter diesen künstlich erzeugten hypoxischen Bedingungen gewonnenen Erkenntnissen anbelangt, so bestärke ich Sie darin, die am IAT in Leipzig vorhandenen Quellen zu erschließen. Eine Auswertung des ca. 200 Seiten umfassenden Berichtes der ehemaligen Forschungsgruppe Hypoxie des FKS aus dem Jahre 1981 würde Ihnen nach meinem Ermessen einen sehr differenzierten Einblick in die damaligen Forschungsergebnisse vermitteln. Der Bericht benennt auch die an den Untersuchungen beteiligten Wissenschaftler, die jedoch nach 1990 zumeist "abgewickelt" wurden und deshalb kaum noch am IAT tätig sind. Der mir aus dem Jahr 2000 vorliegende Jahresbericht des IAT läßt erkennen, daß die seiner Zeit für den DDR-Sport relevante Fragestellung nicht mehr verfolgt - geschweige denn weiter bearbeitet wird. Materialien zu bautechnischen Fragen der Unterdruckhalle müßten im Archiv des ehemaligen Staatssekretariats für Körperkultur und Sport abgelegt worden sein. Soweit ich informiert bin, wurde dieses Archiv vom Bundesarchiv SAPMO (Archiv der Parteien und Massenorganisationen in der DDR) in Berlin-Lichterfelde (Finkensteinallee 63 12205 Berlin, E-Mail: berlin@barch.bund.de) übernommen.

In der Hoffnung, Ihnen für Ihr Vorhaben einige weitere Anhaltspunkte gegeben zu haben, verbleibe ich mit freundlichen Grüßen


Stichworte: Segelsport in der DDR, Übernahme von Erfahrungen des DDR-Sportsystems
Email vom 28.1.2005

Guten Tag Herr Roeder!
Ich mache jetzt etwas Forschung über das DDR-Segelsystem. Es hat mich sehr interessiert Ihre webpage zu sehen.

Ich möchte bitte wissen ob, nach der Wende, es einen Regel gab das die Bundessport- Organisationen sollte die gute Sache aus dem DDR-Sportsystem utilisieren, oder mindestens den DDR Sportsystem studieren?

Ich weiß dass dieses echt nur mal in einige Universitäten und einigen Büchern passiert ist.

Es interessiert mich auch das Segeln in der DDR so viel Erfolg hat. Ich weiß das Herbert Fechner, Präsident des BDS von 1959-Wende, viel damit zu tun hat. Normalerweise denken Leute noch , dass das Segeln nur für reiche Leute ist und Herr Fechner hat Erfolg gehabt, wenn er sagte, dass es ein Wettkampfsport ist.

Ich danke Ihnen im voraus für Ihre Antwort.Mit freundlichen Grüßen


Antwort vom 31.1.2005

Guten Tag ...,
für Ihr Interesse an meiner Homepage über den Leistungssport in der DDR bedanke ich mich. Gern sende ich Ihnen ein Exemplar der CD-ROM.

Nun zu Ihrer Anfrage: Leider gab es nach der "Wende" keinerlei ernsthafte Bemühungen seitens des DSB und des NOK der BRD zu einem von Vorurteilen freien, sachlichen Erfahrungsaustausch über das erfolgreiche Sportsystem der DDR. Anstatt beide Systeme auf den Prüfstand zu stellen und daraus neue, wesentliche Impulse für die weitere Entwicklung des deutschen Sports zu ziehen, wurden dem Sport in den neuen Bundesländern die bisherigen alten Strukturen des BRD-Sports übergestülpt. Viele erfolgreiche Arbeits- und Organisationsformen wurden dabei beseitigt (Förderstufen und Trainingszentren, Sichtungs- und Auswahlsystem, teilweise Sportclubs, Hochschule für Körperkultur und Forschungsinstitut in Leipzig und anderes mehr). Lediglich in wenigen Sportarten gab es in Ansätzen den Versuch einer Vereinigung unter Einschluß von bisherigen Führungskräften, Sportwissenschaftlern und Sportmedizinern des DDR-Sports. Von ursprünglich 4200 Trainern im DTSB wurden meines Wissens lediglich 600 übernommen. Die Folgen werden in dem andauernden Abwärtstrend der Mehrzahl der olympischen Sportarten bei den Olympischen Spielen 1992 bis 2004 ersichtlich.

Leider bin ich nicht genügend darüber informiert wie sich die Integration des Segelsports der DDR bzw. des Bundes deutscher Segler im Detail vollzogen hat. Auf Grund meiner Tätigkeit als einer der Vizepräsidenten des DTSB hatte ich natürlich auch mit Herbert Fechner Kontakt. Er hat große Verdienste an der Entwicklung des Segelsports und ich habe Ihn persönlich sehr geschätzt.

Mit freundlichen Grüßen


Stichwort: Kampfsport in der DDR
Email vom 2.11.2005

Sehr geehrter Herr Roeder,
ich habe Ihre Website über alle Facetten des DDR-Sports besucht und werde sie auch in Zukunft aufgrund der sehr interessanten Informationen besuchen.

Mich persönlich interessiert sehr, welche Kampfsportarten (Zweikampf, etwa Ringen, Judo, Karate?) in der damaligen DDR trainiert wurden. Ich selbst betreibe Kampfsport verschiedenster Art.

Mit der Öffnung der deutsch-deutschen Grenze und der Wiedervereinigung im Jahre 1990 öffnete sich auch der Markt für die verschiedensten Kampfsportarten (Taekwondo, WingTsun Kung-Fu, Capoeira aus Brasilien etc.). Zur Zeit der Wiedervereinigung war ich im Alter von 14 Jahren. 1991 begann ich dann das Training im Karate und wechselte dann zum Taekwondo. Mittlerweile habe ich so manche Kampfkunst und -sportart durch.

Wie aber verhielt es sich mit dem Kampfsport zu DDR-Zeiten? Welche offiziellen und inoffiziellen Arten des Zweikampfes gab es? Ich würde mich über die Möglichkeit einer Antwort ihrerseits sehr freuen bzw. würde es mich freuen, vielleicht etwas auf Ihrer sehr besuchenswerten Website etwas zu diesem Thema lesen zu können.


Antwort vom 7.11.2005

Guten Tag ...,
für Ihr E-Mail und Ihr Interesse an meiner Homepage über den Leistungssport in der DDR bedanke ich mich auf diesem Wege.

Zu Recht haben Sie geschrieben, daß sich meine Darlegungen auf den Leistungssport insgesamt beziehen. Einzelne Sportarten oder Sportartengruppen wie die Kampfsportarten habe ich lediglich exemplarisch aufgeführt. Zudem bin ich kein Fachexperte auf diesem Gebiet. Dennoch möchte ich anmerken, daß diese Gruppe von Sportarten - wir nannten sie Zweikampfsportarten - einen wichtigen Platz innerhalb der insgesamt 35 im DTSB der DDR vertretenen Sportverbände einnahm. Aufbauend auf den im deutschen Sport über Jahrzehnte gewachsenen Strukturen gehörten zu dieser Gruppe Boxen, Ringen (klassischer und freier Stil), Fechten (männlich und weiblich) und Judo. In der zweiten Hälfte der 80-er Jahre gab es auch erste Schritte bei der Einführung der Sportart Karate. Bitte bedenken Sie, daß damals vor rund 20 Jahren manche der heute national und international zunehmend populären Kampfsportformen noch nicht bekannt waren bzw. daß dafür in der DDR wie auch in anderen Ländern keine spezifischen fachlichen, materiellen und personellen (übungsleiter, Trainer, Kampfrichter) Voraussetzungen bestanden. Ich selbst wurde erstmals 1988 in Zusammenhang mir den Olympischen Sommerspielen in Seoul mit der Sportart Taekwondo bekannt.

Was das Training und die reichen trainingsmethodischen Erfahrungen unserer Sportler, Trainer und Wissenschaftler in den betriebenen Zweikampfsportarten anbelangt, so möchte ich sie auf die Schriftenreihe "Elite - Sport. Leistung. Persönlichkeit" verweisen. Dort finden Sie im Heft 4 einige fachspezifische Beiträge wie z. B. "Zur Entwicklung des Trainingssystems in den Zweikampfsportarten im Leistungssport der DDR" oder zum "Strategisch-taktischen Training in den Zweikampfsportarten" u. a. Sie können dieses Heft unter der ISBN 3-89819-154-0 bzw. direkt beim GNN Verlag Schkeuditz, Badeweg 1, 04435 Schkeuditz bestellen.


Stichwort: Triathlon in der DDR
Email vom 16.3.2005

Sehr geehrter Herr Dr. Röder,
im Rahmen meiner Magisterarbeit an der Universität Mainz beschäftige ich mich mit dem Triathlon in der DDR. Aus diesem Grund bin ich auf der Suche nach Literatur (Dokumente des DTSB, Zeitungsartikel, Protokollbände von Triathlonveranstaltungen, Informationsblätter, .). Vielleicht können Sie mich bei meiner Suche unterstützen und mir einen Tipp geben, wo ich insbesondere in Protokollbände von Veranstaltungen, Informationsblätter.
Einsicht bekommen könnte. Über eine Rückmeldung von Ihnen würde ich michsehr freuen. Im Voraus herzlichen Dank für Ihre Mühe.


Antwort vom 18.3.2005

Ihre E-Mail vom 16. März habe ich dankend erhalten. Leider vermag ich Ihnen mit Dokumenten, Buchliteratur, Zeitungsartikel zum Thema "Triathlon in der DDR" nicht behilflich zu sein. Ich verweise Sie jedoch auf ein Interview des ehemaligen Vizepräsidenten des DTSB der DDR Siegfried Geilsdorf, das in der Schriftenreihe "Beiträge zur Sportgeschichte" Heft 15/2002 veröffentlicht wurde und in dem er auch kurz zur Sportart Triathlion Ausführungen macht. Ich empfehle Ihnen beim SPOTLESS-Verlag anzufragen, ob dieses Heft noch nachträglich lieferbar ist. Die Anschrift ist:
SPOTLESS-Verlag
Berlin 10178, Weydingerstraße 14 - 16
Tel. oder Fax: 030 - 24009401

In Übereinstimmung mit diesem Interview vertrete ich die Auffassung

  • daß die Sportart Triathlon in der DDR erst relativ spät bekannt und nur allmählich populär wurde. Es fehlten ihr gewachsene Traditionen und Strukturen.
  • daß sie über nur wenige ehrenamtliche Kräfte verfügte, um die erforderlichen Strukturen und das notwendige Wettkampfsystem aufzubauen
  • und daß es reale materielle Zwänge gab, die einer breiteren Entwicklung dieser Sportart entgegen standen.

Geilsdorf weist besonders auf den letzten sehr wesentlichen Umstand hin, der auf eine Reihe von Sportarten - so unter anderen auch auf solche in der DDR erfolg- und traditionsreiche Disziplinen des Radsports wie dem Radball oder dem Kunstradsport - zutraf. Ich kann Ihnen, selbst als junger Sportler im leichtathletischen Zehnkampf erfolgreich, versichern, daß es über die sportlichen Werte des Triathlon keine Zweifel gab bzw. gibt.
Mit freundlichen Grüßen und guten Wünschen für Ihre Magisterarbeit


Stichwort: Zur Entwicklung der Sportart Biathlon in Thüringen
Email vom 1.6.2008

Sehr geehrter Herr Röder,

im Rahmen unseres Abiturs , stehen wir vor der Aufgabe eine Seminarfacharbeit schreiben zu dürfen. Wir das sind , S. ( 18) , M. (18) , M. (19) und S. (18) aus Thüringen. Dort besuchen wir die 12. Klasse eines Wirtschaftsgymnasiums und werden im Sommer 2009 unser Abitur ablegen. Bei der schwierigen Auswahl eines passenden Themas sind wir alle auf unsere große Leidenschaft Biathlon gestoßen. Damit verbunden natürlich auch Oberhof, das Mekka des Wintersports im Freistaat Thüringen. Diese Arbeit ist für uns alle eine große Chance, die Faszination besser zu begreifen und vor allem dem Zuschauer der Sportart zu beweisen, welche intensive und akribische Arbeit hinter dem Phänomen steckt. In vielen Anfragen sind wir auf Willi Fischer gestoßen, der uns bereits sehr unterstützt und geholfen hat. Wir hatten auch schon ein erstes Interview mit ihm, indem er uns Wolfgang Filbrich für unseren Wirtschaftsteil der Arbeit empfohlen hat. In unserer Recherche sind wir nun auch auf den Standort Schmiedefeld gestoßen und hoffen, dass auch hier eine Zusammenarbeit möglich ist. Wir suchen dringend Ansprechpartner und Experten, die uns bei unserer Arbeit unterstützen können sowie uns Material besorgen können.

Außerdem senden wir Ihnen schon mal unsere Gliederung und unser Expose mit, damit sie schon mal einen kleinen Einblick in unsere Vorstellungen und Ideen haben. Wir hoffen auf eine Rückantwort und würden uns über eine Zusammenarbeit sehr freuen.

Mfg


Antwort vom 10.6.2008

Hallo, liebe Biathlonfans aus Thüringen,
einige Tage außerhalb meines Wohnortes, fand ich leider erst gestern Eure E-Mail vom 1. Juni in meiner Post vor. Spontan beglückwünsche ich Euch zur Themenwahl für Eure Seminararbeit. Biathlon ist nicht nur schlechthin eine faszinierende Sportart. Sie ist aus meiner Sicht vor allem auch ein überzeugendes Beispiel dafür, wie eine Sportart unter den konkreten regionalen Bedingungen Thüringens durch zielstrebige Arbeit vieler Experten und Sympathisanten (Trainer, Übungsleiter, Athleten, ehren- und hauptamtliche Helfer, Sponsoren u.a.) über Jahre zu Weltspitzenleistungen geführt wurde. Die Wurzeln reichen tief in den DDR-Sport hinein. Einer der "Väter" des Erfolges ist ohne Zweifel der langjährige Verbandstrainer Kurt Hinze, der meines Wissens als Rentner in Oberhof lebt. Ihn wie auch Frank Ullrich oder andere Trainer und Aktive aus Oberhof als Zeitzeugen für Eure Arbeiit zu gewinnen, würde ich Euch sehr empfehlen. Wenn Ihr in Eurer Arbeit zu fachlichen Ursachen der Erfolge im Biathlon recherchiert, so vermögen Euch vielleicht die in meiner Homepage im Kapitel "Funktionen und Ziele,Grundlagen und Merkmale des Leistungssports der DDR" aufgeführten systemspezifischen Wirkfaktoren Anregungen vermitteln. Leider konnte ich Eure anghängte Gliederung als ODT File nicht öffnen. Falls ich es schaffe, äußere ich mich eventuell noch zu Eurer Disposition.

Mit freundliche Grüßen und guten Wünschen für Eure Seminararbeit
Prof. H. Röder


Stichwort: "Verbotene Sportarten"
Email vom 29.5.2007

Sehr geehrter Herr Röder!
Ich möchte gerne in dem Fach Geschichte einen Vortrag über den Sport in der DDR halten.

Leider fehlen mir noch ein paar Informationen.Ich weiß leider nicht, ob es in der DDR verbotene Sportarten gab, wie z.B. Stabhochsprung oder Fallschirm- springen. Ich hoffe, dass Sie meine Wissenslücke füllen können.


Antwort vom 3.6.2007

Ihre E-Mail habe ich mit Interesse zur Kenntnis genommen. Natürlich gab es im Sport der DDR keine "verbotenen Sportarten". Das Stabhochspringen gehörte zu den populärsten Disziplinen der Leichtathletik. Der Sieg von Wolfgang Nordwig aus Jena bei den Olympischen Spielen 1972 in München hat dazu nicht unwesentlich beigetragen. Das Fallschirmspringen, ebenfalls in der DDR sehr beliebt, wurde durch die Gesellschaft für Sport und Technik (GST) organisiert. Auch in dieser Sportart haben unsere besten Springer international Siege und Meistertitel errungen.

Durch den Deutschen Turn- und Sportbund (DTSB) wurden nach den mir vorliegenden Informationen in 35 Sportverbänden mehr als 40 Sportarten gefördert. Die Skala reichte von Angeln bis zum Wasserspringen. Wie in anderen Ländern auch war die Verbreitung einer Sportart maßgeblich von ihrer "Beliebtheit", von den regional bestehenden Traditionen, von den Wettkampfmöglichkeiten, den verfügbaren Übungsleitern und Kampfrichtern, aber vor allem auch von den real gegebenen materiellen (z. B. Kunstrasen für Hockey) und klimatischen Bedingungen (z. B. schneesichere Berge für den alpinen Rennsport) abhängig. Hier bestanden in der DDR für eine Reihe von Sportarten objektive Schwierigkeiten bezüglich der natürlichen Gegebenheiten, der Hallenkapazitäten, der Wettkampfgeräte, Trainingsmaterialien und Devisen für internationale Wettkämpfe u. a., die eine noch stärkere Verbreitung bestehender Sportarten oder die Einführung der sich im internationalen Sport neu entwickelnden Sportarten behinderten.

Mit dem Ziel einer erfolgreichen Beteiligung bei Olympischen Spielen gab es seit 1969 eine bestimmte Konzentration auf eine größere Gruppe von olympischen Kernsportarten. Das waren (nach dem Stand der Olympischen Spiele 1988) 20 Sommer- und 8 Wintersportarten. Auf ihre sportpraktische und wissenschaftlich-technische Unterstützung wurde besonderer Wert gelegt. Die langfristig unternommenen Anstrengungen führten zu den bekannten Ergebnissen der Sportler der DDR zu den Olympischen Spielen und internationalen Meisterschaften.

Doch auch die anderen in der DDR betriebenen Sportarten erfuhren durch den DTSB, die GST, die staatlichen Leitungen in den Bezirken, Kreisen und Gemeinden sowie durch die Wirtschaftsbetriebe und Genossenschaften entsprechend den real vorhandenen Möglichkeiten vielfältige Unterstützung. Für den Bereich des DTSB stiegen zum Beispiel über Jahre die finanziellen Zuwendungen für diese Gruppe der Sportarten. An der Deutschen Hochschule für Körperkultur und Sport (DHfK) wurden Trainer für diese Sportarten ausgebildet und die Führungstätigkeit dieser Verbände erfolgte durch hauptamtlich tätige Geschäftsführer, Verbandstrainer und technische Kräfte. Weitere Angaben finden Sie im Buch von Ewald, Manfred "Ich war der Sport", Elefanten Press Verlag, Berlin 1994, Seite 193 -203 sowie in Beiträge zur Sportgeschichte, Heft 15, Spotless-Verlag, Berlin 2002, Gespräch mit Siegfried Geilsdorf "Die Wahrheit über "Sport II", Seite 32-38).

Soweit einige Fakten und Argumente zu Ihrer Frage. In der Hoffnung "Wissenslücken" über den Sport der DDR gefüllt zu haben, wünsche ich Ihnen für Ihren Vortrag viel Erfolg.

Mit freundlichen Grüßen


Stichwort: Anregung zur Untersuchung der Sportbeziehungen zwischen der VR Polen und der DDR
Email eines polnischen Studenten vom 8.3.2002

Sehr geehrter Herr Roeder,
Ich heisse ... und komme aus Polen (Lodz) und bin Student. Ich studiere Germanistik, schreibe jetzt eine Magisterarbeit und habe ein Thema "Sport in der DDR" gewaehlt. Ich habe ein paar mal die Buecher in der Lodzerer Bibliothek durchgeblättert aber es gab dort gar nichts. Dieses Thema interessiert mir sehr und erst als ich Ihre Internetseite gesucht habe, habe ich mir selbst gesagt, dass nur Sie mir helfen koennten. Bitte schicken Sie mir, wenn es moeglich waere, alles wass sich mit diesem Thema verbindet. Vielen Dank.


Antwort vom 11.3.2002

Sehr geehrter Herr ...,
Ihre E-Mail und die darin geäußerte Absicht, eine Magisterarbeit zum Thema „Sport in der DDR“ zu schreiben, habe ich mit Interesse zur Kenntnis genommen. Für eine derartige Arbeit erscheint mir das Thema jedoch zu breit und zu vielschichtig zu sein, so dass ich Ihnen empfehle, einen Arbeitsgegenstand zu wählen der weitaus enger gefasst ist und zu dem Sie evtl. auch einen leichteren Zugang zu den erforderlichen Literaturquellen finden werden.

Interessant wäre nach meinem Ermessen eine Untersuchung zu den Sportbeziehungen zwischen der VR Polen und der DDR generell oder zu einem ausgewählten Zeitraum. Dieses Thema ließe sich auch auf zwei Grenzbezirke einengen. Meines Wissens liegen zu einer derartigen Thematik kaum sporthistorische Untersuchungen vor. Vielleicht denken Sie einmal über diese, meines Erachtens interessante und auch für die künftige Gestaltung der deutsch-polnischen Sportbeziehungen nützliche Arbeitsrichtung nach. Mit freundlichen Grüßen


Stichwort: Vorwurf der Verklärung des DDR-Sports
Email vom 28.9.2005

Sehr geehrter Herr Roeder,
ich bin beim Suchen Materialien über den DDR-Sport zu finden, auf Ihre Seite gelangt. Je länger ich dort las, desto sicherer war ich mir, dass Sie eine Art DDR-Verklärung betreiben (schließlich waren Sie ja Stellvertreter Ewalds!). Ich verstehe es nicht, dass Sie es auch heute noch nicht einsehen, oder es sogar eingestehen, dass der DDR-Sport so wohl nicht immer funktionierte (Doping gab es nicht?, die Olympiapolitik -vor allem 1980/1984 war richtig?-die Beschreibung Ihrer "Krokodilstränen" vor den Sportlern -lächerlich!, u.v.a.m.). Setzen Sie als intelligenter Mensch, mit Verlaub, Ihre "Rosarote Brille" ab und schreiben Sie an Ihrem Lebensabend ehrliche Berichte, dann kann ich mit meinen Schülern auch wahrhaftig über dieses Thema diskutieren!

Ich habe in Potsdam Sport studiert und schon damals gab es keine dümmeren und verlogeneren Vorlesungen (...das brauchen wir heute nicht mehr!), als die in "Theorie der Körperkultur". Über Ihr Interview im ND möchte ich mich nicht weiter äußern, nur so weit, es passt genau nur dort hin!


Antwort vom 30.9.2005

Guten Tag ...,
Ihre E-Mail zu meiner Homepage über den Leistungssport in der DDR habe ich mit Interesse zur Kenntnis genommen. Sie unterscheidet sich wesentlich von den über 120 positiven Zuschriften, die ich seit Erscheinen der Website erhalten habe, ist sie doch - meinem Empfinden nach - von einer unsachlichen, ja feindseligen und unhöflichen Grundhaltung geprägt. Dennoch möchte ich Ihnen in gedrängter Form antworten.

  1. Sie unterstellen mir, daß ich "eine Art DDR-Verklärung" betreibe. Mit dieser, Ihrer Kritik kann ich in gewissem Maße umgehen, obwohl ich mich bemüht habe, meine Aussagen zum Leistungssport in der DDR auf nachprüfbare sportliche Leistungen, Arbeitsergebnisse, Beschlüsse und Dokumente zu stützen. Eine Beschreibung von Sachverhalten, die man selbst intensiv erlebt und mitgestaltet hat, ist nicht frei von subjektiven Einflüssen, Erinnerungen und Wertungen. Ich leugne auch nicht, daß man in einer Atmosphäre, in der der der Sport der DDR seit Jahren in den Medien immer wieder entstellt, ja "verteufelt" wurde, dazu neigt ihn zu rechtfertigen. Ungeachtet solcher möglicher Schwächen, fühle ich mich als einer der Verantwortlichen für den Sport der DDR dazu verpflichtet, die bedeutenden Leistungen der Sportler und die hohe Effizienz unseres Sportsystems positiv zu würdigen und die im Sport der DDR gewonnenen Erfahrungen sachlich darzustellen.
  2. Deshalb war und ist es das Hauptanliegen meiner Homepage, die Entwicklung dieses Leistungssportsystems über 3 Jahrzehnte darzustellen und die wesentlichen allgemeinen und spezifischen Wirkfaktoren für seine beständigen internationalen Erfolge zu definieren. Die erreichten Ergebnissen und Fakten lassen sich nicht manipulieren. Sie belegen: In der DDR bestand ein hocheffektives System der Talentsichtung, -auswahl und -förderung, der wissenschaftlich gestützten Trainings- und Wettkampfgestaltung, das es mehreren Generationen von jungen talentierten Sportlern ermöglichte, in einer wachsenden Anzahl von Sportarten Weltspitzenleistungen zu erreichen. Mir war und ist es wichtig, das zu beschreiben, über das Medium Internet zu verbreiten und damit zum Meinungs- und Erfahrungsaustausch im nationalen und internationalen Rahmen des Sports beizutragen. Leider verlieren sie dazu kein Wort. Ich hoffe, daß das nicht aus politisch-ideologisch motivierten Gründen geschieht und daß Sie nicht zu jenen gehören, die auch 15 Jahre nach der Vereinigung immer noch der Auffassung sind, daß es an der DDR und ihrem Sport nichts Positives geben kann, weil es eben aus diesen politisch-ideologischen Gründen nichts Positives geben darf. Diese Haltung hat genügend Schaden angerichtet. Es ist hohe Zeit, sachlich miteinander umzugehen, Argumente auszutauschen und (die blinde Brille der) ideologische Vorurteile beiseite zu legen.
  3. Zu Ihrer Information: Zur Dopingproblematik im internationalen und im DDR-Sport habe ich mich bereits vor einigen Jahren (2001) in einem längeren Beitrag geäußert, der meines Wissens damals auch den Mitgliedern des Sportausschusses des Bundestages übergeben wurde. Zu dem von Ihnen genannten Olympiaboykott der Spiele 1980 und 1984 setze ich voraus, daß Ihnen die unterschiedlichen Umstände und die unterschiedlichen Verursacher dieser Boykottpolitik bekannt sind. Sie dem DDR-Sport anzulasten, ist geradezu lächerlich. Ich selbst habe die damalige, für die Athleten, den Sport und die Olympischen Spiele außerordentlich gefährliche Entwicklung nicht nur bedauert. Ich verurteile entschieden einen Boykott der Olympischen Spiele, gleich aus welchen Gründen und von welchen Staaten er ausgeht.

Ich würde es begrüßen, wenn Sie mit Ihren Schülern über unseren Gedankenaustausch sprechen.
Mit freundlichen Grüßen.

Email vom 30.9.2005

Sehr geehrter Herr Roeder,
vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort auf meine Mail. Entschuldigen Sie bitte, dass Ihnen meine kurzen Anmerkungen unhöflich vorkamen. Es ist nicht mein Anliegen Sie zu beleidigen, da ich ja auch Ihre Seiten mit Interesse gelesen habe und auch mit meinen Schülern darüber sprach. Eine Schülerin hat einen Vortrag über den Sport der DDR gehalten (dabei ohne mein Wissen auch Ihre Websites gelesen) und Sie können versichert sein, dass es keine "Schwarz-Weiß-Malerei" ihrer- oder meinerseits gab. Dennoch hatten wir das Empfinden, und da bleibe ich bei meiner Meinung, dass der Grundtenor Ihrer Ausführungen durchweg einseitig positiv ist. Es fehlen uns hier die Berichte, über den Teil des DDR-Sports, der eben auch negativ zu erwähnen wäre. Ich glaube noch immer, dass es in bestimmten Sportarten gezieltes Doping gab. Damit möchte ich nicht andere Teile des Sports in der DDR (Sportgeräteentwicklung, TZ, Sportschule, Sichtung, Spartakiade o. ä.) diskreditieren. Die o. g. Dinge waren durchaus effizient.

Gestatten Sie mir auch, die politische Dimension im DDR-Sport nicht außer Acht zu lassen. Ich laste die Boykottpolitik nicht dem DDR-Sport an sich, sondern den "Hardlinern" der DDR und damit "Hörigen der UdSSR" (ich nehme an, dass Ihnen dieser Ausdruck nicht gefällt!), an (Rumänien als sozialistischer Staat nahm 1984 teil!). Und ich glaube, die Funktionäre des Sports der DDR haben sich damals gegen den Sport entschieden (Sie beschrieben die Situation in L. A. als positiv!).

Seien Sie zum Schluss versichert, dass ich Ihnen und Ihrer Website nicht feindlich gegenüber stehe. Ich werde meinen Schülern über unseren Gedankenaustausch fair berichten.
Mit freundlichen Grüßen


Stichworte: Nachwuchsförderung, Kinder- und Jugendspartakiade, Sportinteresse und Wertewandel, meine Position zum Doping
Email vom 30.7.2002

Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Roeder,
Ich bin Schüler einer 12. Klasse eines Gymnasiums .... Traditionell muss jeder unserer Schüler im 12. Jahrgang eine Jahresarbeit zu einem Thema seiner Wahl schreiben. Da ich mich persönlich sehr stark in meiner Freizeit für das Thema Sport begeistere und darüber hinaus noch Interesse an der Geschichte unseres Landes habe, fiel es mir nicht schwer für meine Arbeit das Thema DDR-Sport zu wählen. Durch die Recherchen für dieses Thema fand ich auch sehr schnell Ihre Internetseite. Durch die Informationen, die ich darin fand, wurde es mir sehr erleichtert mir ein größeres Wissen zu dem Thema DDR-Sport anzueignen, mir meine Meinung zu einigen Teilbereichen zu bilden und meine Arbeit mit interessantem und anschaulichem Material zu erweitern. Dafür möchte ich Ihnen danken und im weiteren anfragen ob ich Zitate von Ihnen, natürlich mit entsprechenden Querverweisen zu Ihrer Person und zu Ihrer Internetseite, in meiner Arbeit mitverwenden darf. Auch sind mir bei meiner Arbeit noch einige Fragen gekommen, die ich mir selbst noch nicht beantworten kann und die ich gern einer Fachperson,….. stellen würde. Ich möchte deshalb gerne anfragen, ob es unter gewissen Umständen möglich wäre mit Ihnen in Verbindung zu treten und Ihnen meine noch offenen Fragen zu stellen.


Antwort vom 5.8.2002

Guten Tag ..., Ihr Interesse am Sport der DDR und an meiner Homepage haben mich sehr gefreut. Natürlich können Sie mit den entsprechenden Verweisen Textaussagen oder Abbildungen aus meiner Webseite verwenden. Da sich meine Darlegungen ….. auf den Hochleistungssport und den Nachwuchssport in der DDR beziehen, möchte ich Sie darauf aufmerksam machen, daß kürzlich im SPOTLESS-Verlag Berlin ein Buch zur "Geschichte des DDR-Sports" erschienen ist (ISBN-Nummer: 9-933544-58-0). Das Buch gibt einen Gesamtüberblick über die Entwicklung des DDR-Sports vom Kinder- und Jugendsport über den Leistungssport bis hin zum Sport der Erwachsenen. Gewiß finden Sie dabei noch mehr Anregungen für Ihre Jahresarbeit, für die ich Ihnen viel Erfolg wünsche. Sofern Sie Fragen zu meiner Homepage und zum Leistungssport haben, so bin ich bereit, sie in der für E-Mails gebotenen Kürze zu beantworten...

Email vom 12.8.2002

"Sehr geehrter Herr Prof. Röder,
ich freue mich sehr darüber, dass Sie mir auf meine Nachricht geantwortet haben. Ich hatte nicht unbedingt damit gerechnet.

Natürlich werde ich Ihnen ein Exemplar meiner Arbeit zusenden, sobald Sie fertig ist...

Das Thema DDR-Sport ist natürlich ein sehr weites Gebiet. Im Grunde könnte und müsste man zu jedem Teilgebiet eine eigene Jahresarbeit schreiben. Da ich das aber nicht kann, habe ich es mir in meiner Arbeit zum Ziel gesetzt, die einzelnen Bereiche so anzureißen, dass ein allgemeiner Überblick über den DDR-Sport entsteht. Der Rezipient soll sich bei dem Studium meiner Arbeit in das Thema hineinlesen können und möglichst Interesse dafür finden, um sich dann mit den einzelnen Teilbereichen näher befassen zu können und vor allen Dingen näher befassen zu wollen.

Ich glaube, der Grundstein für die großen Erfolge des DDR-Sport lag in der Nachwuchsförderung. Im besonderen finde ich die Idee der Kinder- und Jugendspartakiaden äußerst beachtlich. Hier wurde eine Synthese zwischen Breitensport und Leistungssport erreicht Mich würde interessieren, welche Bedeutung der Spartakiade ursprünglich zugedacht war. Sollte eher das Volk für den Sport begeistert werden oder basierte in erster Linie die Talentsichtung für den späteren Leistungssport als Grundidee für die Spartakiade? Und in wie weit stand dabei die sowjetische Spartakiade als Vorbild Pate?

Neben den Spartakiaden war ja ebenfalls die direkte Athletenförderung in den Kinder- und Jugendsportschulen in solcher Form einzigartig auf der Welt. Die Sportler berichten häufig von der Disziplin, die dort geherrscht hat und genau diese Disziplin braucht (zumindest meiner Meinung nach) ein Sportler um entsprechende Erfolge bringen zu können. Doch in unserer heutigen Zeit erfährt die gesamte Gesellschaft einen Art Wertewandel. Das gilt besonders für die junge Generation, der ich ja auch angehöre. Ich habe das Gefühl, dass sich die Menschen heute nicht mehr so quälen können und vor allen Dingen wollen, wie vor einem oder zwei Jahrzehnten. Hier sehe ich auch die Gründe für die nachlassenden Erfolge der Deutschen im Sport. Glauben Sie, dass eine solche Jugendförderung, wie es sie in der DDR gab, heute auf den Typus des (deutschen) Menschen umsetzbar ist? Oder anders gefragt: Fehlt den Jugendlichen von heute die Entschlossenheit und die Disziplin um sich heute sportlich so in Szene zu setzten, wie es vor 1989 in fast allen Sportarten der Fall war?

Davon abgesehen finde ich es äußerst bemerkenswert, dass von einem sportlich so erfolgreichen System, wie dem DDR-Sport, so wenig "herübergerettet" wurde. Warum gab es diese ideologische Ablehnung jeglicher Prinzipien dieses erfolgreichen Systems? Haben dies einzelne Persönlichkeiten, wie Feldhoff, von Richthofen... zu verantworten oder gab es eine breite Ablehnung gegen alles "Neue aus dem Osten"? Immerhin mussten ja alle Leute erkennen, dass auch noch 12 Jahre nach der Wende das Gros der Medaillen (siehe Salt Lake City u.a.) von Athleten geholt wurde, die in der DDR geboren wurden. Doch langsam prökelt das DDR-Sporterbe dahin. Glauben Sie das es in den nächsten Jahren zu einer weiteren Abwertung des bundesdeutschen Sportes auf internationaler Ebene kommen wird und zukünftig bei Olympischen Spielen nur noch Plätze zwischen 5 und 10 in der Medaillenwertung erreicht werden können?

Ich befürchte es leider zumindest für die Sommersportarten. Umso erstaunlicher sind für mich die Erfolge im WIntersport. Ist es hier vielleicht besser gelungen als im Sommersport das DDR-Erbe zu nutzen? Ich glaube zumindest in den wichtigsten Disziplinen ostdeutsche Trainer (Frank Ullrich, Reinhard Hess,Franke/Gneupel) zu erkennen und viele Athleten kommen auch aus den selben Trainingszentren wie zu DDR-Zeiten (z.B. Oberhof, Erfurt).

Nun zu einem anderen Thema, welches mich besonders interessiert. Ihre Arbeit als Chef de Mission. Über Ihre Aufgaben als selbiger konnte ich ein Menge auf Ihren Internetseiten lesen. Dabei fand ich auch heraus, dass Sie zu den Sportler in dieser Zeit einen engen Kontakt pflegten und so die Sportler auch persönlich kennenlernten. Die Leistungen welches Athleten haben Ihnen in dieser Zeit sportlich und charakterlich am meisten imponiert? Ich denke bei dieser Frage auch an Sportler, wie den Läufer Hansjörg Kunze, dessen Geschichte Sie auf interessante Weise auf Ihrer Homepage dargestellt haben. (Ich denke wohl auch gerade an diesen Sportler, weil ich selbigen Kunze immer wieder auf meinem Lieblingsradiosender höre, so zum Beispiel gerade eben. Aber dies nur am Rande.

Sie haben bestimmt in Ihrer Tätigkeit auch DIE DDR-Sportlegende Täve Schur kennengelernt. Ihm widme ich einige spezielle Worte in meiner Arbeit. Deshalb würde mich interessieren, was Sie vom Menschen Gustav-Adolf Schur halten...

Zum Abschluss hätte ich noch eine Frage, welche für mich aber fast die wichtigste ist, die ich Ihnen stellen möchte. Ich habe vor einigen Wochen das Buch "Doping - von der Forschung bis zum Betrug" von Brigitte Berendonk, der Frau vom selbsternannten Dopingexperten Werner Franke durchgelesen, oder besser angelesen. Ich bin absoluter Sportliebhaber und ich möchte einfach nicht alles glauben, was in diesem Buch niedergeschrieben wurde. Was kann man jedoch dieser Frau Berendonk entgegenhalten, wenn man davon ausgeht, dass die von ihr angefügten wissenschaftlichen Berichte, die eindeutig das systematische Doping beweisen (sollen), echt sind? Natürlich gibt es logische Gründe, die man Ihr entgegenhalten könnte, wie zum Beispiel der Fakt das DDR-Athleten auch noch nach dem Zusammenbruch der DDR den sauberen (?) bundesdeutschen Sport dominieren oder, dass sich von den vielen tausend "Dopingopfern" nur ein Dutzend weniger erfolgreicher daran gemacht haben eine Prozesslawine ins Rollen zu bringen. Auch andere Gründe sprechen gegen das systematische Doping. (Interessant ist hierzu auch ein Artikel, den ich auf der Seite des NOK Deutschlands gefunden habe. Vielleicht möchten Sie ihn ja lesen. Die Adresse lautet: www.nok.de/page.php?art_id=1103 ). Aber irgendwo bleibt bei mir ein fader Beigeschmack.

Damit möchte ich meinen "Fragenkatalog" beenden. Nachdem ich alles nochmals durchgelesen habe, merke ich erst wie viel ich geschrieben habe. Ich möchte Sie bitten es nicht als Zumutung aufzufassen, dass Ihnen ein Fremder so viele Fragen stellt. Ich interessiere mich einfach nur so für das Thema Sport und habe relativ wenig Gelegenheit mich mit anderen geschweige denn mit Experten darüber auszutauschen. Ich erwarte keinesfalls, dass Sie jede meiner Frage beantworten. Vielmehr hoffe ich auf eine neuerliche Antwort von Ihnen.


Antwort vom 25.8.2002

Hallo ..., nachdem ich gestern einen ersten Abschnitt des in Arbeit befindlichen Kapitels beendet habe, möchte ich mich heute an die Beantwortung Deiner Fragen machen.

  1. Zur Nachwuchsförderung
    Hierzu habe ich alles Wesentliche in meiner Homepage ausgeführt, so dass meines Erachtens nach lediglich Deine Fragen zur Spartakiade noch offen bleiben. An den Originalbeschlüssen des DTSB als auch der SED ist eindeutig nachzuweisen, daß mit den Spartakiadewettkämpfen von Beginn an 2 Aufgaben - die Gewinnung möglichst aller Kinder und Jugendlichen für eine regelmäßige Beteiligung an Wettkämpfen und Training sowie die Förderung der sportlichen Talente - gestellt und gelöst werden sollten. Die Idee, derartige Spartakiaden für Kinder und Jugendliche einzuführen, baute meines Wissens nach weniger auf die in der Sowjetunion bestehenden Unionsspartakiaden für erwachsene Sportler aus allen Republiken auf. Auslöser waren weitaus stärker die in der DDR von 1954 bis 1965 mit den Pionierspartakiaden gewonnenen Erfahrungen.
  2. Zum Thema Wertewandel und Sportinteresse
    Natürlich führte die politische Wende zu einem starken Wandel der Werte in den neuen Bundesländern. Manche verloren gesellschaftlich und für den Einzelnen an Bedeutsamkeit, andere, neue gewannen an Stellenwert. Deshalb darf man eine derartige vielschichtige Problematik nicht vereinfachen. In dieser auf Geld und Gewinn gerichteten Gesellschaft entwickeln nicht wenige Jugendliche auch solche Motive, den erfolgreichen Profisportlern (von Schumacher über Kahn bis zu van Almsick) nachzueifern. Außerdem gibt es "den Jugendlichen von heute" nicht an sich. Die Interessenvielfalt ist heute sicher größer geworden. Dennoch ist das Interesse vieler Kinder und Jugendlichen in Deutschland am Sport und am Leistungssport groß. Schwächen und Reserven sehe ich vor allem darin, wie man dieses Interesse fördert und in richtige Bahnen lenkt.
  3. Zum Umgang mit dem Erbe des DDR-Sports
    Hier bitte ich Dich, mein Vorwort und das in der Homepage zitierte Interview aufmerksam zu lesen. Wenn die (nicht geringe materielle) Förderung des Leistungssports durch Staat, Wirtschaft und Medien in Deutschland fortgeführt, zunehmend erfolgreiche Trainer aus der Schule des DDR-Leistungssports Einfluß gewinnen und vorhandene wie auch neue wissenschaftliche Erkenntnisse in der erforderlichen Breite in den Sportverbänden auch durchgesetzt werden, vermag der Spitzensport der BRD durchaus einen vorderen Platz unter den leistungsstärksten Sportländern der Welt zu behaupten. Die Leistungen zu den Olympischen Winterspielen 2002 sind ein Beleg dafür. Ob es allerdings gegen das sportlich weiter erstarkende China im Sommersport ein von den Verantwortlichen verkündeter 3. Platz bei den Spielen in Athen sein wird, wage ich jedoch zu bezweifeln.
  4. Zu meinen Erinnerungen an ehemalige Spitzensportler der DDR
    Ich verzichte darauf, die vielen Namen von Sportlerinnen und Sportlern aus der DDR zu benennen auf die ich damals wie auch heute noch voller Stolz blicke. Selbst Athlet gewesen, habe ich den Anstrengungen und Leistungen der Sportler - gleich welcher Sportart - stets den größtem Respekt entgegengebracht und mich um ein vertrauensvolles Verhältnis zu ihnen bemüht. Habe also bitte Verständnis dafür, wenn ich außer „Täve“ Schur niemand besonders herausheben möchte. Täve habe ich bereits als Mitglied im Sportclub DHfK Leipzig, den wir in den 50ger Jahren beide angehörten, kennen gelernt. Später waren wir beide viele Jahre Mitglieder des Präsidiums des DTSB. Ich schätze ihn als einen warmherzigen, bescheidenen und stets hilfsbereiten Menschen, der sowohl im Sport als auch im Leben alles was er tat zielbewußt, willensstark und mit bewundernswerter Ausdauer leistete. Er ist ein wirkliches Vorbild für viele junge Sportler und Menschen!
  5. Zum Doping
    Doping ist ein Attribut des internationalen Sports und hat um keine der im Leistungssport führenden Länder einen Bogen gemacht. Berendonk spricht in ihrem Buch auf Seite 45 offen auch vom Doping-System in der alten BRD. Ich zitiere:

    "Im Grunde war als Folge der heftigen Doping-Diskussion von 1977 nur der Vertuschungsaufwand erhöht worden. Die für den Sport Verantwortlichen hatten in kurzer Zeit ein komplexes, neues System des illegalen Anabolikadopings geschaffen, an dem auch wieder Sportmediziner diskret rezeptierend mitwirkten,..."

    Es ist nachgewiesen, daß die Anwendung von Hormonen im Leistungssport in den 50er Jahren im Sport der USA begann, dann auf die westeuropäischen Staaten Übergriff und erst Ende der 60er Jahre auch im Sport sozialistischen Länder Eingang fand. Ich erinnere mich, daß es damals in einer Reihe von Sportarten um die erforderlichen Chancengleichheit der Sportler im Wettbewerb mit den Athleten anderer Länder ging. Hinzu kam, daß die Anwendung von Anabolika bis 1974/75 durch das IOC und die Internationalen Sportverbände nicht verboten war. Eine interne Befragung von Teilnehmern an den Olympischen Spielen in München in der Leichtathletik ergab meines Erachtens das Resultat, daß 68 % der Befragten Anabolika genommen hatten. Dabei muß man davon ausgehen, daß zu dieser Zeit die Nebenwirkungen dieser Hormone noch relativ unerforscht und im Sport auch weitgehend unbekannt waren. Der medizinisch-wissenschaftliche Erkenntnisstand von heute ist mit dem von damals in keiner Weise vergleichbar! (Heute ist beispielsweise bekannt, daß Viagra insgesamt 108 Nebenwirkungen aufweist). Die vom Anabolika-Hersteller VEB Jenapharm 1974 in der DDR offiziell herausgegebene Ärzte- und Apothekerinformation wies dagegen kaum auf Nebenwirkungen hin und ließ den Einsatz dieser Mittel unter ärztlicher Kontrolle als vertretbar erscheinen. Dabei ist es falsch, zu unterstellen, daß Anabolika in nahezu allen Disziplinen eingesetzt wurde und einen vermeintlich ausschlaggebenden Einfluß auf die Leistungssteigerung hatte. Für den Leistungssport der DDR war stets der wissenschaftlich fundierte Trainingsprozeß das entscheidende Mittel. Nur auf diesem Weg wurde es möglich, daß mehrere Generationen von jungen talentierten Sportlern systematisch zu sportlichen Höchstleistungen geführt werden konnten. Das darzustellen, ist vor allem auch das Anliegen meiner Homepage.
    Vom heutigen Wissens- und Erfahrungsstand ausgehend, muß man sich gegen den Einsatz von leistungssteigernden Medikamenten und allen anderen Mitteln, die nachweislich die Gesundheit von Sportlern gefährden können, aussprechen. Das gilt umso mehr, als heute die Anwendung von Dopingmitteln im und außerhalb des Sports ganz andere Dimensionen erreicht hat. Bei allen Fortschritten in der Kontrolle sind im Spitzensport die ermittelten Dopingfälle bekanntlich nur die Spitze eines Eisberges. Noch bedenklicher ist die Situation im Fitnessbereich. Man schätzt die Zahl von Jugendlichen, die in diesem Bereich in Deutschland Anabolika zu sich nehmen, auf 150 000 bis 200000. Wiederum von den USA ausgehend, findet der Einsatz von Hormonen in so genannten "anti-aging"-Programmen auch in Europa und in Deutschland zunehmende Verbreitung. Und auf der am 14. Juni im Bundestag geführten Debatte über ein "Dopingopfer-Entschädigungs-Gesetz" wies Täve Schur darauf hin, daß die Pharmaindustrie in Deutschland jährlich 6 Tonnen an Anabolika produziert, obwohl davon nur 500 bis 600 Kilogramm für medizinische Zwecke benötigt werden. Berechtigt stellte er die Frage, wo der Rest bleibt! Es wäre zu wünschen, daß der in Deutschland weit verbreiteten Heuchelei und Doppelmoral in Sachen Doping endlich ein Ende gesetzt wird. Nicht die DDR und der DDR-Sport haben das Doping eingeführt, sondern Gewinnstreben, Kommerz und Professionalisierung sind in der heutigen Gesellschaft die Ursachen dafür. Anstatt rückblickend und nach hinten gewandt im Sport der DDR den Schuldigen für das übel Doping zu suchen, und damit von den eigenen dubiosen Dopingpraktiken abzulenken, muß man sich entschieden den Problemen und Gebrechen der Gegenwart zuwenden und aufrichtig ihre Bekämpfung und Bewältigung wollen.

Obwohl es für mich leichter gewesen wäre, wenn ich die Beantwortung des letzten Fragekomplexes mit irgendwelchen Argumenten umgangen hätte, habe ich versucht, Dir auch dazu meine Auffassung mitzuteilen. Mir scheint es eine Pflicht von uns älteren zu sein, die wir über Jahre hinweg die Verantwortung für den Sport in der DDR trugen, Euch - den Jüngeren - auf Eure Fragen eine Antwort zu geben. Du mußt für Dich entscheiden, wie Du meine Antworten bewertest und ob Du damit einverstanden sein kannst. Betrachte und verwende sie vor allem, um Dir eigene Standpunkte zu erarbeiten, die sich mit eigenen Worten in Deiner Arbeit widerspiegeln. Nochmals viel Erfolg ...

Rückantwort vom 25.8.2002

Sehr geehrter Herr Prof. Röder,
ich möchte Ihnen für Ihre ausführlichen Darlegungen danken. Insbesondere die Offenheit und Ehrlichkeit Ihrer Worte hat mich beeindruckt, da ich das in dieser Form nicht erwartet hatte. Gerade Ihre Ausführungen zum Doping-Problem sind für mich überzeugend. Ich teile dort überwiegend Ihre Meinung. Herr Dr. Franke, den ich ebenfalls zu diesem Thema um eine Stellungnahme gebeten hatte, hielt es leider im Gegensatz zu Ihnen nicht für nötig mir zu antworten.

Nur durch Menschen wie Sie, ist es möglich, die DDR-Geschichte (nicht nur zum Thema Sport) aufzuarbeiten, so dass sich ein wahres Bild entwickelt und ein Mensch, der in 50 Jahren in ein Geschichtsbuch sieht, nicht etwas von einer diktatorischen Gewaltherrschaft darin liest, sondern etwas über die Geschichte eines Staates erfährt, der einige schlechte Aspekte, aber auch sehr viele gute hatte.

Nochmals vielen Dank für Ihre Ehrlichkeit


Stichwort: Nachwuchsleistungssport
Email eines Soziologiestudenten vom 1.2.2006

Werter Herr Prof. Röder,
mein Name ist ..., ich bin Student der Soziologie, Psychologie und Philosophie an der Uni ...

Letztere beiden Fächer habe ich schon abgeschlossen und schreibe gerade meine Abschlußarbeit in Soziologie. Diesbezüglich und auch aus dem Grund, da ich selbst Radsport auf der KJS …..betrieben habe, las ich den Inhalt Ihrer Homepage mit großem Interesse. Meine Arbeit soll die Art, Qualität und Effizienz des Nachwuchsleistungssportsystems (NWLS) der DDR beschreiben und im Vergleich zu aktuellen (nicht nur bundesdeutschen) Förderkonzepten im Nachwuchsleistungssport diskutieren. Daraus schlussfolgernd wird erörtert, ob Elemente des NWLS der DDR als Vorbild für ein ähnlich modernes Subsystem (nicht nur in Deutschland) bereits standen oder stehen könnten. Neben Literaturstudien und Auswertung von Datenmaterial, führe ich Experten-Interviews. Dabei geht es mir nicht um die Darstellung persönlicher Schicksale (diesbezüglich findet sich genügend andere Literatur), sondern um relevante Aussagen von kompetenten Leuten, die eine strukturale Analyse stützen. Ich habe schon mehrere Interviews mit (ehem.) Aktiven, Trainern, Wissenschaftlern geführt und werde auch noch weitere führen ….., doch es würde mich besonders freuen, wenn ich Sie für ein Gespräch gewinnen könnte. Für eine Antwort - egal wie Ihre Entscheidung ausfällt - bedanke ich mich. Freundliche Grüße

Antwort vom 15.2.2006

Werter Herr ...,
Da ich das von Ihnen benannte Anliegen Ihrer Abschlußarbeit für wichtig halte, bin ich grundsätzlich nicht gegen das von Ihnen gewünschte Interview. Ich setze die genaue Kenntnis der Aussagen zum Nachwuchsleistungssport in der DDR auf meiner Homepage voraus und bitte Sie, daß Sie mir exemplarisch einige der Sie interessierenden Fragen (diesbezüglich bzw. darüber hinaus) mitteilen.

Bitte haben Sie Verständnis, wenn ich erst danach entscheiden möchte, ob sich der relativ große Aufwand für ein Gespräch in Berlin….. lohnt oder ob Sie mir Ihre wichtigsten Fragen per E-Mail stellen, die ich Ihnen dann in der für dieses Kommunikationsmittel gebotenen Kürze zu beantworten versuche.
Mit freundlichem Gruß

Antwort vom 15.2.2006

Hallo ...,
habe Ihre umfangreichen Fragen aufmerksam gelesen und hoffe, dass Sie meine Antworten darauf nicht zu sehr enttäuschen. Manche der Fragen empfand ich doch recht allgemein und über Ihr Arbeitsthema hinausgehend. Einen Vergleich bzw. Urteile zum Nachwuchsleistungssport in der BRD habe ich weitgehend vermieden, da ich nicht mehr den dafür erforderlichen Einblick habe und mir Fakten und Hintergrundinformationen fehlen. Zudem scheint mir die praktische Situation in den einzelnen Sportarten, Ländern und Regionen zu different zu sein, um pauschale Urteile zu erteilen. Bereits in Ihren Fragen wäre eine stärkere Ausrichtung auf die einzelnen Systemelemente des NWLSS wünschenswert gewesen. Also: Sichtung und Auswahl von sportlichen Talenten/Förderstrukturen und deren Aufgaben/Kooperation und Kooperationsbeziehungen (Schule, Sportlehrer, Eltern)/Trainings- und Wettkampfsystem/Führung, Steuerung und Regelung der Prozesse, Materielle und finanzielle Mittel sowie personelle Voraussetzungen. Sicherlich ist eine derartige Herangehensweise für Ihre aktuelle Arbeit zu umfangreich und zu anspruchsvoll. Vielleicht aber ein Denkanstoß für künftige wissenschaftliche Arbeiten bis hin zu einer Dissertation. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg. Wenn Sie mögen, können Sie mich gern über den Fortgang und das Resultat Ihrer Arbeit informieren.

Was waren Ihrer Meinung nach die Stärken und Schwächen des Nachwuchsleistungssportsystems (NWLSS) der DDR und wo liegen diese bei gegenwärtigen Förderkonzepten in der BRD?

Was den Nachwuchsleistungssport der DDR anbetrifft, so verweise ich auf das entsprechende Kapitel meiner Homepage. Siehe auch Kapitel "Funktionen und Ziele..." Von einer Bewertung des Förderkonzepts in der BRD nehme ich Abstand, da es mir an Insiderwissen, Analysedaten und Hintergrundinformationen fehlt

Dienten Ihres Wissens nach Elemente des NWLSS der DDR als Vorbild für ähnliche Modelle in der BRD oder anderen Länder?

Nach meiner Kenntnis - ja. Ich selbst hatte Gespräche mit japanischen Sportwissenschaftlern und weiß von Bemühungen in Australien, Frankreich und der Schweiz. Der Einsatz einer größeren Anzahl von Trainern aus dem DDR-Sport im Ausland hat ohne Zweifel ganz wesentlich zur Verbreitung von Erfahrungen und Wissensbeständen zum DDR-Leistungssport beigetragen. In der BRD haben offensichtlich politische Vorbehalte und Arroganz gegenüber den Leistungen und Erfahrungen des DDR-Sports in hohem Maße eine sachliche Prüfung und kreative Umsetzung des reichen Erbes des DDR-Sports verhindert.

Gab es Ihres Wissens nach Förderstrukturen und -methodiken im NWLSS der DDR und BRD, die sich vor 1989 glichen?

Meiner Einschätzung nach - nein. Selbst zwischen den Kinder- und Jugendsportschulen und den Sportgymnasien in der alten BRD bestanden funktionell und strukturell grundlegende Unterschiede.

Sind Sie der Meinung, dass die einzelnen Strukturelemente des Nachwuchsleistungssportsystems der DDR (TZ, KJS, ESA etc.) unmittelbar an das politische System gebunden waren?

In sehr hohen Maße - ja. Das muss jedoch, abhängig von dem Charakter und den sportpolitischen Zielen eines Staates, nicht eine mögliche sinnvolle Adaption von einzelnen Strukturelementen ausschließen.

Das soziale Umfeld einer Person bestimmt zu einem Großteil deren Leistungsfähigkeit. Denken Sie, dass man im DDR-Sport von einem "Zwang zum Team" / "Zwang zur Kollektivität" und im BRD-Sport von einem "Zwang zum Freiraum" / "Zwang zur Individualität" sprechen kann?

Ihre Frage zeigt mir, dass auch Sie nicht der Gefahr entgehen, in "Schwarz-Weiß-Kategorien" zu denken. Hüten Sie sich davor! Im Abschnitt "Olympiazyklus 1968 - 1972" bin ich auf die meines Erachtens sehr komplexe Motivationsstruktur unserer Spitzenathleten eingegangen.

Wie zentral sollte Ihrer Meinung nach, der Nachwuchsleistungssport in der heutigen Zeit organisiert sein, damit Deutschland durch Qualität und Quantität der späteren Hochleistungssportler, wiederholt Spitzenleistungen bei internationalen Wettkämpfen erzielen kann und ist dies gegenwärtig der Fall?

Wünschenswert wäre ein wissenschaftlich gestütztes zentrales Gesamtkonzept, das nach Sportarten modifiziert in Ländern, Regionen, Städten Anwendung findet. Für den deutschen Sport - Wunschdenken!

Wie würden Sie die Komplexität des NWLSS der DDR beschreiben?

Siehe dazu Kapitel "Funktionen und Ziele..." meiner Webseite

Denken Sie, dass die soziale Einbindung und zukünftige Absicherung der Leistungssportler der DDR besser war als sie es gegenwärtig ist, so dass dieser Weg, im Gegensatz zu heute, attraktiver erschien?

Eindeutig besser!

Wie weit dürfen Ihrer Meinung nach die Förderstrukturen im NWLSS ökonomischen Strukturen unterliegen, um zu gewährleisten, dass dieses Subsystem wiederholt einen geeigneten Nachwuchs selektiert und diesem auch eine qualitativ hohe Ausbildung zukommen lassen kann?

Um den von Ihnen formulierten Anspruch - wiederholbare Systemwirkung - zu erreichen, ist nach meinem Ermessen eine sportliche, schulische und berufliche Förderung junger Talente durch den Staat unverzichtbar.

Sind Sie der Meinung, dass sich nach Zusammenbruch der sogenannten Ostblock-Staaten etwas an der Qualität der internationalen Wettkämpfe geändert hat?

Ja!

Haben Sie Ideen, die Sie, wenn Sie sie nicht schon erwähnten, kurz zusammenfassen können, wie momentan der Nachwuchsleistungssport in der BRD effizienter strukturiert und gefördert werden könnte?

Leider hat sich bei mir in den vergangenen Jahren die Auffassung herausgebildet, dass bewährte Grundlinien und erfolgreiche Projekte des Leistungssports in der DDR im gegenwärtigen Sport der BRD keine Chance haben, ernsthaft aufgegriffen und schöpferisch umgesetzt zu werden.


Stichwort: Beschluß des Sekretariats des ZK der SED zu den Kinder- und Jugendspartakiaden
Email vom 7.7.2005

Sehr geehrter Herr Dr. Roeder,
mit Interesse bin ich bei Recherchen zur Organsiation der Kinder- un Jugendspartakiaden in der DDR auf Ihre Homepage gestoßen. Dabei fiel mir bei einer Quellenangabe der "Beschluß des Sekretariats des Zentralkomitees der SED: Durchführung von Kinder- und Jugendspartakiaden in den olympischen Sportarten in den Jahren 1965 und 1966" auf. Ich denke, dass es sich dabei um die "rechtliche Grundlage" für die Durchführung der Kinder- und Jugendspartakiaden handelt. Leider war ich bisher nicht in der Lage, den Wortlaut des angeführten Textes zu erhalten. Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mir einen Tipp geben könnten, a welche Institution ich mich wenden muss, um die volle Textversion zu erhalten. Gab es Ihres Wissens nach weitere Beschlüsse für die Folgejahre oder basierte die gesamte Bewegung auf diesem einmaligen Beschluss? Im voraus herzlichen Dank für Ihr Bemühen.


Antwort vom 9.7.2005

Sehr geehrter Herr ...,
auf Grund Ihrer E-Mail möchte ich Sie informieren, daß Sie den genannten Beschluß des Sekretariats des ZK der SED zu den Kinder- und Jugendspartakiaden in der "Stiftung Archiv der Parteien und Massenorganisationen der DDR im Bundesarchiv" (SAPMO) einsehen können. Die Anschrift lautet:
SAPMO
Finckensteinallee 63
12175 Berlin.

Es ist anzunehmen, daß Sie sich durch das Archiv auch eine Kopie des Beschlußes anfertigen und zusenden lassen können. In Vorbereitung meiner Homepage habe ich den Beschluß vor ca. 3 Jahren im Archiv eingesehen. Nach meiner Meinung kann man den Beschluß als "politische Grundlage" für die Durchführung der Spartakiaden betrachten, nachdem sich der Bundesvorstand des DTSB bereits Wochen zuvor (März 1963?) für die Einführung dieser neuen Wettkampfform im Kinder- und Jugendsport ausgesprochen hatte. Der ZK- Beschluß bildete vor allem die Grundlage für die gesellschaftliche und staatliche, für die materielle und finanzielle Absicherung der Spartakiaden in den Kreisen und Bezirken sowie der Zentralen Spartakiadewettkämpfe selbst. Meiner Erinnerung nach gab es in der Folgezeit weitere Beschlüsse, die sich konkret mit den jeweiligen Terminen, den Durchführungsorten, Wettkampfprogrammen und organisatorischen Fragen (z.B. Sicherung der Unterkünfte in Schulen u. a.) der Spartakiaden bzw. Turn- und Sportfeste in der DDR befaßten. Soweit in aller Kürze.


Stichwort: Ziele der Kinder- und Jugendspartakiaden
3.6.2005

Sehr geehrter Herr Röder,
mein Name ist ... und ich studieren Mathematik und Sport auf Lehramt. In meinem Sportgeschichteseminar "Die Entwicklung der Sportstrukturen in Bezug auf Breiten- und Leistungssport im Vergleich der BRD und der DDR" habe ich das Thema "Kinder- und Jugendspartakiaden der DDR". Ich habe schon auf ihrer Homepage gestöbert und hätte jetzt noch eine konkrete Frage an sie. Würden sie sagen die Kinder- und Jugendspartakiaden waren ein Breitensportreservoir oder eine Leistungsschmiede? Ich würde mich sehr über eine Antwort freuen.


Antwort vom 7.6.2005

Hallo ...,
Ihre E-Mail mit der Anfrage zur Kinder- und Jugendspartakiade habe ich erhalten. Im Abschnitt über die Spartakiadewettkämpfe habe ich meines Erachtens die von Ihnen gestellte Frage hinreichend beantwortet. Ich zitiere: "Zwei Ziele wurden an die Spartakiaden geknüpft. Sie sollten erstens die große Mehrheit der Kinder und Jugendlichen für eine regelmäßige sportliche Betätigung, für einsystematisches üben und eine wiederholte Teilnahme an Wettkämpfen gewinnen. Und zweitens sollten sie den Leistungsvergleich der besten jungen Sportler und der Auswahl und Förderung der sportlichen Talente dienen." Nachprüfbar kommt diese zweifache Zielsetzung in den entsprechenden Beschlüssen der Sportleitung der DDR als auch in den Beschlüssen des Zentralkomitees der SED und der Regierung der DDR zur Entwicklung der Kinder- und Jugendspartakiaden zum Ausdruck. Siehe auch das Zitat W. Ulbricht, der in dieser Bewegung den "beste(n) Weg zu neuen Erfolgen im Volkssport der Jugend" sowie "zu neuen Erfolgen bei internationalen Meisterschaften und Olympischen Spielen" sah. Bekanntlich beteiligten sich an den Spartakiadewettkämpfen jeweils über eine Million Kinder und Jugendliche. Die übergroße Mehrheit von ihnen ohne leistungssportliches Interesse. Diese Tatsache, aber auch der Fakt, dass für die Vorwettkämpfe sowie für die Spartakiadewettbewerbe in den Kreisen und Bezirken alle in der Region traditionell betriebenen Sportarten – gleich ob sie olympische oder nichtolympische Disziplinen waren - einbezogen waren, belegen in der Praxis in welch starken Maße die Spartakiadebewegung in der DDR auf die Förderung des Sporttreibens der Jugend insgesamt ausgerichtet war.


Stichworte: Einheitliche Sichtung und Auswahl (ESA), Trainingsstützpunkte, Trainingszentren der Sportvereinigungen u. a.
Email vom 10.10.2002

Guten Tag Herr Röder,
vielen Dank für ihre Antwort, ich bin sicher sie können mich bei der Thematik um einiges weiterbringen. Es ist schwer allein anhand von Akten und Vorgaben in das sehr differenziert zu betrachtende und vielschichtige DDR-Leistungssportsystem einzutauchen. Ich bemühe mich dabei möglichst objektiv zu bleiben und dabei doch kritisch das "System im System" zu durchleuchten. Die Arbeit von Herrn ... ist mir bekannt, wobei sich meine Forschungen ja eher auf die 70er und 80er beziehen.

Ich tue mich momentan sehr schwer damit, die wirkliche Bedeutung der ESA herauszufinden, auch deshalb da es nur so wenig Literatur dazu gibt (der Name taucht weder in Theorie und Praxis der KK/ des Leistungssports, der WZ der DHfK noch in anderer DDR- Primärliteratur auf). Bisher stütze ich mich nur auf die zwei ESA Richtlinien von 73 und 76 (gibt es mehr?), einige Akten des DTSB, MfV und StKS und die bekannte Sekundärliteratur. Ich würde mich sehr freuen sie persönlich kennenzulernen und gerne auf ihr Angebot, ein Gespräch mit ihnen zu führen, eingehen.


Antwort vom 13.10.2002

Guten Tag Herr ...,
leider komme ich erst heute dazu auf ihre E-Mail zu antworten und mich für Ihr Interesse an meiner Homepage zu bedanken. Ihre an mich gerichteten Fragen umfassen ein breites Spektrum und lassen sich meines Erachtens nicht im Rahmen eines E-Mails beantworten. Jedoch bin ich bereit, in einem Gespräch mit Ihnen über die gestellten Fragen zu sprechen.

In ähnlicher Weise bin ich mit Herrn ... verfahren, der sich unter Betreuung von Prof. ... auf eine Dissertation zum Themenkreis der KJS vorbereitet. Ein derartiges Treffen kann aus Termingründen jedoch erst nach dem 27. Oktober erfolgen.

In Vorbereitung auf ein derartiges Gespräch möchte ich Sie auch bitten, daß Sie sich nochmals gründlich mit den Aussagen meiner Homepage zum Nachwuchssport befassen. Nach meiner Auffassung finden Sie einen Teil Ihrer Fragen darin hinreichend beantwortet.

Zwei Beispiele sollen das in gebotener Kürze verdeutlichen:

  • Unter anderen stellen Sie die Frage, ob die Spartakiadewettkämpfe zur Talentfindung nicht ausgereicht hätten. Nein, denn die in der Sportpraxis damals und teilweise auch noch heute verbreitete Meinung, daß Kinder mit hohen altersgemäßen Wettkampfleistungen auch als Erwachsene hohe und höchste sportliche Leistungen vollbringen - also sportlich talentiert seien - ist in dieser Allgemeinheit wissenschaftlich nicht haltbar. Die Beurteilung nach frühzeitig erzielten Wettkampfleistungen muß, das ergaben unsere wissenschaftlichen Untersuchungen (vgl. Kupper u. a.) und praktischen Erfahrungen, durch die Ermittlung des biologischen und kalendarischen Alters, des bisherigen Trainings und der dabei erreichten Leistungsvoraussetzungen ergänzt und gestützt werden. Vor allem daraus ergab sich für uns das Projekt ESA.
  • In ihrer Frage 3 gehen Sie von so genannten "schwarzen Schafen" unter unseren Trainern und Übungsleitern aus, die Umdelegierungen untereinander gesteuert haben um "Sollkaderzahlen" zu erfüllen. Sicher gab es unter den fast 2000 Trainern und über 9000 übungsleitern (der 1. Förderstufe) auch einzelne, wie Sie meinen, "schwarze Schafe". Wo gibt es das bei solchen Größenordnungen nicht? In Ihrer Annahme übersehen Sie aber völlig, daß der Leistungssport in der DDR als System wirkte und die Tätigkeit der Trainer in dieser Weise auch beeinflußte. Spätestens bei der Normenüberprüfungen im 2. TZ-Jahr, die unter der inhaltlichen Kontrolle der Sportverbände abliefen, wäre die Wahrheit an den Tag gekommen. Zu den Vorzügen unseres Leistungssportsystems gehörte eine enge Verflechtung von quantitativen und qualitativen Elementen.

Das soll an Beispielen genügen. Bitte machen Sie nicht den Fehler, einseitig oder gar voreingenommen an eine Erscheinung, einen Gegenstand oder einen Prozess heranzugehen, den Sie wissenschaftlich erfassen und untersuchen wollen.

Email vom 15.11.2002

Hallo Herr ...,
jetzt zu Ihren Fragen, die im Ergebnis unseres Gespräches für Sie noch offen geblieben sind:

  1. Die beiden Sportvereinigungen hatten keine wie Sie schreiben "überregionalen TZ". Ihre TZ bestanden bei gut arbeitenden Sportgemeinschaften der SV Dynamo bzw. der ASV in den Städten und Ortschaften. In Abstimmung mit den für den Kreis und Bezirk zuständigen Kreis- und Bezirksvorständen des DTSB erhielten sie für die Sichtung von Kindern ein genau abgegrenztes Einzugsgebiet an Schulen zugeteilt, das auch für die ESA gültig war.
  2. Ergänzend zu unserem Gespräch dazu einige Fakten. Eine Befragung der DHfK von 9181 Teilnehmern der DDR-Spartakiade in den Sommersportarten 1985 ergab auf die Frage nach dem Alter bei Trainingsbeginn im TZ, daß 73 % 9 Jahre oder älter waren. 26 % waren jünger. Nach Sportarten betraf das außer Fußball (bedingt durch das sehr früh einsetzende Spielsystem) besonders jene Sportarten (Gerätturnen, Leistungsgymnastik, Sportschwimmen und Wasserspringen), in denen das Hochleistungsalter sehr niedrig lag und demzufolge auch eine frühere KJS-Einschulung erfolgte. Der Anteil in den anderen Sportarten lag im Durchschnitt zwischen 1 und 5 % und rechtfertigt in keiner Weise von einer "Unterwanderung des ESA-Systems" zu sprechen.
    Bitte vermeiden Sie die Gefahr einer vorgefaßten Meinung, die man unbedingt in einer schriftlichen Arbeit bekräftigen will.
  3. Hier zitiere ich aus der Arbeitsrichtlinie für die TZ des DTSB vom 7.12.1977.

    "In solchen Gebieten, in denen kein TZ der betreffenden Sportart besteht bzw. die territorialen Bedingungen keine vollständige Struktur eines TZ in Bezug auf die Anzahl der Trainierenden und Übungsleiter gewährleisten, können Trainingsstützpunkte (TS) gebildet werden. Sie haben die gleichen Ausbildungs- und Erziehungsziele wie ein TZ zu erfüllen."

    Im Abschnitt über die 1. Förderstufe finden Sie auch in meiner Website eine mit der Arbeitsrichtlinie übereinstimmende Interpretation von TS. Dort finden Sie auch eine Meinungsäußerung zu ATZ.

Stichwort: Zur Finanzierung der Sportgemeinschaften im DTSB
Email vom 13.04.2008

Sehr geehrter Herr Röder,
ich bin Sportstudent an der Uni ..... und schreibe gerade meine Examensarbeit. Darin mache ich einen Exkurs über den DTSB und die Finanzierung des DDR-Fußballs. Mich würde interessieren, ob Sie dazu einige Informationen haben. Speziell soll danach dann um die Wendezeit mit der zunehmenden Kommerzialisierung und die Beschaffung eigener Geldquellen bei Fußballvereinen gehen. Doch wie sich die Vereine vor der Wende unter unter dem DTSB mit Geldern (und welchen) über Waser gehalten haben, konnte ich bis jetzt leider noch nicht erfahren und bitte Sie daher um Hilfe.
Mit freundlichen Grüßen


Antwort vom 02.05.2008

Sehr geehrter Herr ....., Ihre E-Mail habe ich erhalten und mit Interesse gelesen. Obwohl in meiner früheren Tätigkeit im DTSB der DDR nicht vorrangig mit Finanzfragen befaßt, versuche ich Ihnen einen kurzen Überblick über die Finanzierung der Sportgemeinschaften zu geben. Ich stütze mich dabei auf einen Artikel von Ulrich Wille, der unter dem Titel "Der Sport in der DDR (Teil II)" in der Schriftenreihe Beiträge zur Sportgeschichte, Heft 12, Spotless-Verlag Berlin erschienen ist. Insgesamt standen den Sportgemeinschaften zur Erfüllung ihrer Aufgaben im Breiten- und Wettkampfsport relativ vielfältige Quellen zur Verfügung:

  1. Monatliche Mitgliedsbeiträge (0,20 Mark für Kinder, 0,80 für Lehrlinge, Studenten, Hausfrauen, Rentner, 1,30 für alle anderen Mitglieder, Aufnahmegebühren, Spendenmarken (von 0,20 bis 30 Mark)
  2. Einnahmen aus Sportveranstaltungen (Eintrittsgelder, Startgelder, Programmerlöse)
  3. Mittel aus dem Verkauf von Souvenirs, Losen
  4. Lotto-bzw. Totomittel und weitere Erlöse
  5. Zuwendungen aus Vereinbarungen mit wichtigen gesellschaftlichen Partnern, wie dem FDGB, der FDJ, dem Ministeriums für Volksbildung (z.B. Kostenübernahme bei gemeinsamen Veranstaltungen) u.a.. Von Bedeutung waren besonders die Finanzmittel, die als so genannte Rücklaufmittel aus den Beitragsgeldern des FDGB (12%) an die Sport-, und Betriebssportgemeinschaften flossen.
  6. Erhebliche Mittel aus den Sozial- und Kulturfonds der Volkseigenen Betriebe, die gesetzlich geregelt, jährlich den jeweiligen Betriebssportgemeinschaften zur Verfügung gestellt wurden. Dabei ist zu beachten, dass die große Mehrzahl der Gemeinschaften im DTSB Betriebssport-gemeinschaften waren, die sich auf einen oder mehrere Trägerbetriebe stützten und von diesen in erheblichen Umfang finanziell, materiell und personell gefördert wurden.

Weiter möchte ich Sie darauf hinweisen, dass der Sport in der DDR durch viele gesetzliche Regelungen des Staates, die eine "indirekte Finanzierung" des Sportes darstellten, umfangreich unterstützt wurde. Dazu gehörten: Die kostenlose Nutzung der Sportstätten, verbilligte Fahrpreise bei Bahn- und Busreisen, die zeitweilige Freistellung von ehrenamtlich im Sport tätigen Betreuern und Helfern von der beruflichen Arbeit sowie die Ausgleichszahlung bei diesen Freistellungen, die kostenlose medizinische Betreuung und die Gleichstellung eines Sportunfalles mit einem Arbeitsunfall. Was den Hochleistungssport- und den Nachwuchsleistungssport anbelangt, so erfolgte die Finanzierung der Sport- und Fußballclubs sowie der Trainingszentren und Trainingsstützpunkte direkt über den Bundesvorstand des DTSB und seine Vorstände in den Bezirken und Kreisen. Für Ihre Examensarbeit würde ich Ihnen empfehlen, Kontakt mit dem Kreissportbund ..... und dem ..... Fußballclub aufzunehmen um dort Zeitzeugen zu befragen und Einsicht in die sicherlich vorhandenen Archive zu nehmen. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg für Ihre Arbeit und verbleibe mit freundlichen Grüßen
Prof. H. Röder