3. Die Spiele der XXX. Olympiade 2012 in London

3.1 Kurze Gesamteinschätzung

Noch wirken sie in ihrer Fülle an Bildern, Symbolen und Emotionen unmittelbar in uns nach: Die Abschlussveranstaltung, das Erlöschen des olympischen Feuers, die Übergabe der Flagge an die nächste Olympiastadt Rio de Janeiro, der Auszug der Olympioniken aus dem Stadion. Der Präsident des IOC, Jaques Rogge, würdigte die Londoner Spiele des Jahres 2012 als „unvergessliche Spiele“.
„Das waren Athletenspiele, das olympische Dorf war fantastisch, die Sportstätten haben funktioniert und das Publikum war großartig. London hat die olympische Bewegung erfrischt.“ (www.zeit.de/sport/2012-08 vom 16.8.2012)

Ohne Zweifel, die Londoner Spiele gehören zu den erfolgreichsten der Sportgeschichte. Vergleichbar mit denen in Sydney, in Barcelona oder auch Peking haben sie die Kriterien des IOC sowie die Erwartungen der Athleten, der Zuschauer und der Bevölkerung an erfolgreiche Olympische Spiele in beeindruckender Weise erfüllt.

Was prägte diese Spiele? Aus meiner Sicht als Zuschauer und Beobachter waren es vor allem folgende Merkmale:

In einem Interview vor den Spielen betonte der Organisationschef und zweifache Olympiasieger Sebastian Coe: „Wir wollen Spiele, die den Sportlern all das geben, was sie benötigen.“ (Der Spiegel, 2/2012, S. 99). Der Athlet sollte im Zentrum der Spiele stehen. Ein sehr hoher Anspruch. Folgt man den Echo der Teilnehmer, der Augenzeugen und Berichterstatter so wurde dieses Anliegen in hohem Maße erfüllt. Leider beeinflusste das wechselhafte Wetter in den ersten Tagen manche der im Freien durchgeführten Wettkämpfe, zum Beispiel im Radsport und in der Leichtathletik. Es entstanden, so im Beachvolleyball und im Tennis, Unterbrechungen und zeitliche Verschiebungen, welche die Teilnehmer teilweise belasteten.

Die meisten Diskussionen gab es meiner Wahrnehmung nach zu der Eröffnungs- und Abschlussveranstaltung. Die Meinungen im Freundes- und Bekanntenkreis gingen dazu weit auseinander. Auch mir gefiel der inhaltlich überfrachtete und zeitlich zu lange Teil vor Beginn des Einmarsches der Mannschaften nicht so recht. Bewegung, Gymnastik, Spiel, Tanz und Musik sollten nach meiner Meinung im Zentrum einer jeden Eröffnungsveranstaltung der Olympischen Spiele stehen. Sie sind jedoch nur begrenzt geeignet, um die Geschichte eines Landes in überzeugenden Bildern (wie das einer Industrielandschaft mit Schornsteinen) auszudrücken. Als einer der Leiter von Olympiamannschaften der DDR habe ich einige Eröffnungsveranstaltungen und die damit für die Athleten verbundenen Wartezeiten miterlebt. Bei aller Freude über das beeindruckende Erlebnis: Eine derartige Eröffnung muss nicht dreieinhalb Stunden dauern.

Apropos Pannen – sie sind bei einem derartigen Großereignis natürlich nicht auszuschließen. Mich verwunderten zwei Beobachtungen: Das Versagen einzelner Wettkampfgerichte und der von ihnen genutzten Informationstechnik (z. B. Leichtathletik Siebenkampf, völlig unbegründete Disqualifikation der Zweitplazierten, Fehler bei der Weitenmessung im Hammerwerfen der Frauen, Probleme bei Siegerermittlung im Triathlon der Frauen, Ausfall der Zeitnahme im Degenfechten der Damen, Kampfrichterentscheidungen im Boxen).
Das zehrte schon an der Spannung und Stimmung der betroffenen Athleten! Und zweitens: Wie auch bei vorangegangenen Spielen, so auch in London – vor allem in der ersten Wettkampfwoche blieben zahlreiche Zuschauerplätze frei, weil laut Presse 2 der 8 Millionen Eintrittskarten vorwiegend an Sponsoren und Offizielle vergeben und nicht ausreichend genutzt wurden. Durch das schnelle Reagieren des IOC und der Organisatoren konnte dieses Problem offensichtlich kurzfristig gelöst werden. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen einige Tage in London das olympische Flair vor Ort zu genießen. Zwei Versuche scheiterten, nicht an der Reisebuchung, sondern aus Mangel an den gewünschten Eintrittskarten.