4.3 Versuch eines Ausblicks

Eine Arbeitsphase, in der ich mich intensiv mit den Olympischen Spielen, der Olympischen Bewegung und ihrer Idee befasst habe, liegt hinter mir. Das Schreiben darüber löste teilweise gewollt, zum Teil auch ungewollt Gedanken über die Zukunft der Olympischen Spiele aus. Wie wird sich dieses einmalige gesellschaftliche Phänomen in Zukunft weiter entwickeln? Aufbauend auf meinen über vier Jahrzehnte im Sport, im Leistungssport und bei Olympischen Spielen gewonnenen Erfahrungen, drängte es mich meine Auffassung besonders zu heute bereits bestehenden oder erkennbaren Problemen und Gefahren darzustellen. In den entsprechenden Abschnitten habe ich mich zum Gigantismus der Spiele, zu ihrer zeitlichen Dauer, zu den Olympischen Jugendspielen, zur Auswahl von Sportarten oder auch zum Kampf gegen Doping geäußert und dazu Vorschläge unterbreitet. Die Beschäftigung mit den Jugendspielen führte zu der Frage, ob es in einer Zeit, in der heute in Deutschland geborene Kinder eine Lebenserwartung von etwa 100 Jahren haben werden, nicht auch berechtigt wäre über künftige Weltspiele oder gar über Olympische Spiele der Senioren nachzudenken. Mich beschäftigt auch das spannungsvolle Verhältnis von olympischen und nichtolympischen Sportarten und deren Zukunft. Wie geht es mit den Weltspielen der nichtolympischen Sportarten (World Games) weiter? Haben Spiele auf der Ebene der Kontinente, die sowohl die regional wichtigsten olympischen Sportarten als auch die traditionell verbreiteten (nichtolympischen) Sportarten zusammenführen, möglicherweise eine Zukunft?

Halt, halt! Das alles ist vor allem Sache des IOC. Das IOC ist die „oberste Autorität“ der Olympischen Bewegung. Ihr „Grundgesetz“ ist die Olympische Charta. In ihr sind in der Präambel und im Kapitel 1 die „Grundlegenden Prinzipien des Olympismus“ und auch die „Aufgaben und Rolle des IOC“ dargelegt. In der Regel 1 heißt es: „Das Ziel der Olympischen Bewegung ist es, zur Schaffung einer friedlichen und besseren Welt beizutragen, indem die Jugend durch Sport, der im Einklang mit dem Olympismus und dessen Werten ausgeübt wird, erzogen wird.“ Die Regel 2 beschreibt in überzeugender Art und Weise in 16 Punkten die einzelnen Aufgaben des IOC. Mir scheint es wichtig, einige dieser Aufgaben - zitiert nach der ins Deutsche übersetzten Fassung der Charta vom 7. Juli 2007 - hier wiederzugeben:

Ein großes, inhaltlich überzeugendes Programm, das in vieler Hinsicht auch weit in die Zukunft blickt. Vieles wurde angegangen, manches auch erreicht. Bleibt nur zu wünschen, dass das IOC, der Präsident, die Mitglieder im Zusammenwirken mit vielen anderen Funktionsträgern der Olympischen Bewegung diese Aufgaben noch öffentlichkeitswirksamer propagieren und geschlossen, zielbewusst und tatkräftig für ihre Erfüllung wirken.