Nachwuchsleistungssport

1. Zum Aufbau der 1. und 2. Förderstufe in ihren organisatorischen Strukturen

Zur Entwicklung der Kinder- und Jugendsportschulen

Aus der Sicht von heute ist es schon bemerkenswert, daß als erste spezifische Organisationsform des Nachwuchsleistungssports die Kinder- und Jugendsportschulen (KJS) entstanden. Auf Anordnung des Ministeriums für Volksbildung begannen mit dem Schuljahr 1952/53 vier Kindersportschulen (Berlin, Brandenburg, Halberstadt und Leipzig) ihre Tätigkeit. (Vgl.: Boywitt, I.: Kindersportschulen - auch für unsere Jungen und Mädchen. In: Körpererziehung in der Schule, 1952, Heft 4). 1953 folgten 8 weitere Schulen, die sowohl Kinder als auch Jugendliche umfaßten. Ende 1959 bestanden bereits 23 KJS. Sie waren anfangs Schulen mit erweitertem Sportunterricht, der sowohl im Fach Körpererziehung (insgesamt 3 bzw. 4 Stunden je Woche) als auch als zweistündiges wöchentliches Training in einer der an den KJS bestehenden Sektionen durchgeführt wurde.

Ihre frühzeitige Einrichtung der KJS widerspiegelte das gemeinsame Interesse der Volksbildung und der jungen, 1948 gegründeten Sportbewegung, die Voraussetzungen für hohe sportlichen Leistungen zu verbessern und zu verbreitern. Das machte es notwendig, schon eher als erst im Junioren- oder Erwachsenenalter mit Training und Wettkämpfen zu beginnen und dabei Schule und Sport besser aufeinander abzustimmen. Von ausschlaggebender Bedeutung waren dabei die Erfahrungen des sowjetischen Sports. Dort entstanden die ersten Kinder- und Jugendsportschulen bereits in den dreißiger Jahren. Die Mehrzahl der erfolgreichen Teilnehmer der sowjetischen Olympiamannschaft bei den Spielen in Helsinki 1952 kamen aus den KJS. In mehreren Studiendelegationen hatte man sich die Arbeit der sowjetischen Einrichtungen, die als außerunterrichtliche Nachmittagsschulen tätig waren, angesehen und umfangreich ausgewertet. Positive und negative Momente abwägend, entschied man sich dafür, in der DDR die KJS als allgemeinbildende Schulen mit einem verstärkten Sportunterricht aufzubauen. Sie vereinigten in ihrer Struktur Grund- und Oberschule und unterschieden sich so wesentlich von den Sportschulen in der UdSSR.

Im Unterschied zu dem sowjetischen Beispiel oblagen den KJS in der DDR zwei Hauptaufgaben: Die allseitige Bildung und Erziehung der Schüler entsprechend der Lehrpläne für die allgemeinbildenden Schulen sowie ihre Vorbereitung auf hohe sportliche Leistungen. Dafür waren im Lehrprogramm ab 1959 - unterschiedlich in den einzelnen Klassenstufen - 5 bis 7 sportpraktische Stunden vorgesehen. Im Mittelpunkt des Unterrichts standen die Sportarten Turnen/Gymnastik, Leichtathletik, Schwimmen/Wasserspringen und Sportspiele. (Vgl.: Bäskau, H.: Die Entwicklung der Kinder- und Jugendsportschulen der Deutschen Demokratischen Republik zu Spezialschulen des sportlichen Nachwuchses“. Hrsg.: Forschungsstelle der DHfK, Leipzig 1962).

Der Aufbau der Kinder- und Jugendsportschulen stellte ohne Zweifel einen großen Fortschritt dar. Der Anteil von Schülern bzw. von Absolventen der KJS, die mit hohen sportlichen Leistungen in die Auswahlmannschaften aufgenommen wurden, stieg zunehmend an. Dennoch gab es im ersten Jahrzehnt ihres Bestehens auch manche Fehlentwicklungen und insgesamt eine zu geringe Wirksamkeit der Mehrzahl der KJS. Die Auswahl der Schüler entsprach in vielen Fällen nicht den leistungssportlichen Erfordernissen. Andererseits engte die Aufnahme lediglich von solchen Schülern, die das Abitur erreichen konnten, die Auswahlmöglichkeiten stark ein. Zu umfangreiche zeitliche Anforderungen an die Schüler begrenzten das erforderliche Training und die Beteiligung an nationalen und internationalen Wettkämpfen. Auch die Leitung eines Teils der Schulen durch im Sport unerfahrene Direktoren und Lehrer erwies sich als ein Schwachpunkt. So entstand Anfang der 60-er Jahre verstärkt die Forderung nach einer Umgestaltung der Schulen zu "Spezialschulen des sportlichen Nachwuchses".

Im Beschluß des Sekretariats des Zentralkomitees der SED über die Entwicklung der KJS vom 6.6.1963 wurden die gewonnenen Erfahrungen zusammengefaßt und die Richtung der weiteren Entwicklung dieser Schulen für einen längeren Zeitabschnitt bestimmt. (Vgl.: Maßnahmen zur Entwicklung der Kinder- und Jugendsportschulen der DDR zu Spezialschulen des sportlichen Nachwuchses. Vorlage an das Sekretariat des ZK der SED vom 6.6. 1963. SAPMO-BArch., Dy30/J IV/ 2-3/ -890, Bl: 50 - 65). Ziel, Charakter und Struktur der KJS wurden weitgehend neu definiert und ein neuer Weg einer systematischen Talentförderung eingeleitet. Als Spezialschulen hatten die KJS das Ziel, „hervorragende Leistungssportler zu entwickeln, von denen die besten zur Weltspitze in den olympischen Sportarten aufsteigen sollen.“ (Ebenda, S. 1). Dafür sollten „für die besten Nachwuchskräfte alle Voraussetzungen geschaffen und entsprechende Fördermaßnahmen eingeleitet werden, um ihren Aufstieg zur Weltspitze und die Erfüllung aller Aufgaben der allgemeinbildenden Schule zu ermöglichen.“ (Ebenda S. 4).

Im einzelnem wurden dazu weitreichende Schlußfolgerungen zur Einteilung der Schulen nach Sportarten und zur Zusammenstellung der Klassen, zur Differenzierung des Aufnahmealters, zur Auswahl, zum Unterricht und Training der Schüler sowie zur Verlegung bzw. Neueinrichtung von Schulen unterbreitet. Die Mitverantwortung der Sportverbände, der Bezirksvorstände des DTSB und der Sportclubs für die weitere Entwicklung der KJS erhöhte sich ganz wesentlich.

Die im Beschluß hervorgehobene Aufgabe, Unterricht und Training optimal zu koordinieren und die Festlegung, daß die Sportclubs künftig für die inhaltliche Durchführung des Trainings die volle Verantwortung zu tragen haben, führte logischerweise zu der Konsequenz, Kinder- und Jugendsportschulen und Sportclubs am gleichem Ort zusammenzuführen. Daraus ergaben sich weitreichende Folgen für die Verlagerung, Auflösung und den Neubau einiger KJS, die bis zum Jahr 1972 abgeschlossen wurden. Neu und bedeutungsvoll war auch der Beschluß, an den KJS zukünftig solche Klassen einzurichten, in denen Schüler möglichst aus nur einer Sportart erfaßt wurden. Das gewährleistete einerseits die erforderliche Zeit für das Training, für die Teilnahme an Lehrgängen der Sportverbände sowie an allen notwendigen Wettkämpfen. Gleichzeitig konnten aber auch die Lehrplanziele besser erfüllt werden. Darüber hinaus wurde den Clubs die Möglichkeit eröffnet, talentierte Nachwuchsathleten aus Sportarten, die bisher nicht an der betreffenden KJS geführt wurden, an die KJS zu delegieren. Das eröffnete - über die bisher festgelegten „Hauptsportarten“ hinaus - weiteren olympischen Sportarten den Weg zu einer systematischen Nachwuchsförderung über die KJS. Entsprechend dem Beschluß von 1963 konnte auch die medizinische Betreuung der Schüler, ihre sportgerechte Verpflegung und die Unterbringung in Internaten verbessert werden. 1969 wohnten bereits etwa 50 Prozent der KJS-Schüler in schuleigenen Internaten. Jeder Schule standen zu dieser Zeit ein Arzt und eine Krankenschwester zur Verfügung und alle Schüler wurden mindestens jährlich einmal gründlich untersucht. (Vgl.: Information über die Durchführung des Beschlusses vom 6.6.1963 vor der LSK der DDR, internes Material vom 5.5.1969).

In der Zeit nach 1970 entwickelten sich die Kinder- und Jugendsportschulen zu außerordentlich effektiven Zentren des Nachwuchsleistungssports in denen immer mehr junge, befähigte Sportler langfristig auf internationale Spitzenleistungen vorbereitet und zu einer hohen Allgemeinbildung geführt wurden. Ihre weitere Gestaltung vollzog sich in engster Verflechtung mit den Sportclubs und den dort als Lehrlinge erfaßten Nachwuchssportlern, mit denen sie gemeinsam die 2. Förderstufe bildeten.

Die wesentlichen Merkmale und Ergebnisse dieser Entwicklung lassen sich wie folgt zusammenfassen:

(Vgl. auch: Ledig, R.: Die Kinder- und Jugendsportschulen in der DDR. In: Beiträge zur Sportgeschichte. Heft 13/2001, S. 10 - 19).

Schematische Darstellung von Organisations- und Auswahlformen in den drei Förderstufen des Leistungssports in der DDR (Stand 1974)Schematische Darstellung von
Organisations- und Auswahlformen
in den drei Förderstufen
des Leistungssports in der DDR
(Stand 1974)

1989 bereiteten sich an den 25 in der DDR bestehenden Kinder- und Jugendsportschulen über 10000 Schüler auf hohe sportliche Leistungen vor. über 50 Prozent von ihnen wohnten in Internaten. Etwa 1460 Lehrer und über 430 Erzieher wirkten erfolgreich an der Erziehung und Ausbildung der jungen Nachwuchssportler mit. Ihre Ergebnisse konnten sich weltweit sehen lassen. Nahezu alle Teilnehmer unserer Olympiamannschaften 1988 in den Winter- und Sommersportarten kamen bzw. entwickelten sich aus den KJS.


Die Sportclubs und ihre Aufgaben im Nachwuchssport

Die Sportclubs entstanden 1954, etwa zwei Jahre nach den ersten Kinder- und Jugendsportschulen. Zumeist gingen sie aus leistungsstarken Sportgemeinschaften oder aus sogenannten Leistungsstützpunkten wie zum Beispiel der SG Dynamo Potsdam, Motor Jena oder der HSG DHfK Leipzig hervor. Hier hatten sich oftmals schon vor 1950 um einzelne Trainer Gruppen von zumeist erwachsenen Sportlern gebildet, die in ihrer jeweiligen Sportart nach hohen sportlichen Leistungen strebten. Die dort gesammelten Erfahrungen bewiesen, daß das gemeinsame Training von Sportlern, betreut von ausgebildeten und möglichst hauptamtlich tätigen Trainern bei entsprechend gut ausgestatteten Sporteinrichtungen die besten Voraussetzungen schuf, um nationale und internationale Spitzenleistungen zu erreichen. Nur so ließen sich die in dieser Phase des Wiederaufbaus begrenzten Mittel an Sportmaterial und -geräten, an Verpflegung und ärztlicher Betreuung konzentrieren. Als Träger der entstehenden Sportclubs boten sich die ab 1950 gebildeten Sportvereinigungen mit den sie tragenden Industrie- und Landwirtschaftsbetrieben sowie auch einzelne Fachhochschulen oder Universitäten an. Der Auftrag der Sportclubs war eindeutig und für alle einheitlich. Sie sollten sportlich befähigte junge Menschen durch ein planvolles, nach neuesten sportwissenschaftlichen Erkenntnissen aufgebautes Training auf sportliche Spitzenleistungen vorbereiten. Damit sollten sie zugleich die junge demokratische Sportbewegung und die DDR würdig repräsentieren.

In den Clubs trainierten anfangs vor allem erwachsene und weniger jugendliche Athleten. Sie übten einen Beruf aus oder waren Studenten. Später entstanden auch eigene Jugendabteilungen. Die Zahl der aus den KJS in die Clubs überwechselnden Absolventen wuchs erst allmählich. Räumlich und oft auch örtlich getrennt, bestanden in den ersten Jahren nur lose Beziehungen zwischen den von unterschiedlichen gesellschaftlichen Organen getragenen und geleiteten Einrichtungen. So ist es nicht verwunderlich, daß in den Anfangsjahren die Zusammenarbeit zwischen SC und KJS zumeist spontan verlief und oft von subjektiven Einflüssen beeinträchtigt wurde. Die Sportlehrer der KJS, vielfach junge Absolventen der Institute für Körpererziehung ohne eine Spezialisierung in einer Sportart, zeichneten für die Erziehung und Ausbildung ihrer Zöglinge voll verantwortlich. Die Trainer der Clubs konnten, gewissermaßen mit Distanz, die Arbeit und die Ergebnisse ihrer Kollegen in den KJS kritisch betrachten. Sie übernahmen die entwicklungsfähigsten Sportler der KJS, ohne für deren bisherige Ausbildung mitverantwortlich zu sein.

Es dauerte Jahre bis sich in allen Einrichtungen kameradschaftliche Arbeitsbeziehungen und eine gemeinsame Verantwortung für die Erziehung und Ausbildung der jungen Sportler herausgebildet hatten. 1978 kam es schließlich zu einer Arbeitsvereinbarung zwischen dem Bundesvorstand des DTSB, dem Ministerium für Volksbildung und dem Zentralvorstand der zuständigen Gewerkschaft über die Überleitung von Sportlehrern der KJS als Trainer im DTSB. Das verstärkte die Verantwortung und die einheitliche Führung aller Trainer durch die Leitungen der Sportclubs weiter.

Einen wesentlichen Einfluß auf das Zusammenwirken und Zusammenwachsen von Sportclubs und KJS übte die „Grundlinie der weiteren Entwicklung der Kinder- und Jugendsportschulen bis zum Jahre 1980“ aus. Der 1970 durch das Ministerium für Volksbildung und den DTSB-Bundesvorstand gemeinsam eingebrachte Beschluß orientierte darauf, die KJS „noch zielstrebiger als Spezialschulen der Nachwuchsentwicklung für den Leistungssport der DDR zu vervollkommnen“ und die „besonderen Anforderungen des Leistungssporttrainings“, bei gleichzeitiger Erfüllung der Bildungsziele, vorrangig zu beachten. Als „Kriterien der gemeinsamen pädagogischen Arbeit der Lehrer, Trainer und Erzieher der Kinder- und Jugendsportschulen“ wurden „die sportlichen Leistungen ihrer Schüler, ihre staatsbürgerliche Haltung, ihr kämpferischer Einsatz und ihre gute Allgemeinbildung“ hervorgehoben. (Vgl.: Beschluß des Sekretariats des ZK der SED vom 24.6.1970. SAPMO-Barch, Dy/30/J IV/2/3/1644, Bl. 23/24).

Der Beschluß enthielt auch eine relativ genaue Bestimmung der durch die einzelnen Leitungen zu lösenden Aufgaben. Für die Sportclubleitungen hieß es:

"Die Leitungen der Sportclubs sind im Prozeß von Training, Unterricht und Erziehung für die Erfüllung der sportlichen Leistungsaufträge im Zusammenwirken mit den Direktoren der KJS verantwortlich. Folgende Aufgaben sind von ihnen zu lösen:

Abstimmung der Maßnahmen zur Sicherung von Training, Unterricht und Erziehung mit dem Direktor der KJS

Sicherung der materiellen Bedingungen für das Training und die Wettkämpfe

Einsatz der Schüler der KJS in den Mannschaften der Sportclubs bei Wettkämpfen

Leistungsplanung der Schüler und Förderung besonderer Talente sowie Vorschlag für die Aufnahme in den Abiturkurs der KJS

Politisch-ideologische und fachliche Qualifizierung der Trainer. (Vgl.: a. a. O., Bl. 27).

In der Folgezeit wurde es zur Regel, daß der Direktor der KJS als gewähltes Mitglied dem Vorstands des Clubs angehörte. Umgekehrt arbeitete der Stellvertretende Clubleiter für sportliche Ausbildung im Pädagogischen Rat und im Elternbeirat der Schule mit. In der überwiegenden Zahl waren auch die Lehrer Mitglieder des Clubs und seiner verschiedenen Sektionen. Sie übten dort unterschiedliche ehrenamtliche Funktionen aus und unterstützten beispielsweise die Vorbereitung und Veranstaltung von Wettkämpfen. Die einzelnen Trainer und Lehrer kamen regelmäßig zusammen und berieten individuellen Probleme der ihnen anvertrauten jungen Sportler, sowohl was deren persönliche, schulische und sportliche Entwicklung anbetraf. Grundsätzlich mußte die Aufnahme der Neulinge in die KJS vom Direktor und vom Vorsitzenden des Sportclubs gemeinsam verantwortet werden. Die jeweiligen Trainer des Clubs wurden in den Entscheidungsprozeß einbezogen. Dabei gab es natürlich Niveauunterschiede und Reibungsflächen in der praktischen Zusammenarbeit. Doch generell entwickelte sich auf der Basis derartiger lebendiger Arbeitsverflechtungen die gemeinsame Verantwortung und ein wechselseitig abgestimmtes Vorgehen beider Einrichtungen. Sportclubs und KJS bildeten - über Jahre gewachsen - bei unterschiedlicher politischer und organisatorischer Zuordnung zunehmend eine Einheit und trugen gemeinsam die 2. Förderstufe. über ihre Aufgaben in der 2. Förderstufe hinaus übernahmen die Sportclubs auch eine bestimmte Mitverantwortung im Bereich der Trainingszentren. Sie unterstützten die Bezirks- und Kreisvorstände bei der Aus- und Weiterbildung der dort tätigen Trainer und Übungsleiter und wirkten aktiv an der Vorbereitung der für die KJS vorgesehenen Sportler im 3. Trainingsjahr mit. Wir verzichten an dieser Stelle auf Aufgaben der Sportverbände und der Bezirksvorstände des DTSB für die 2. Förderstufe einzugehen.


Zum Aufbau der Trainingszentren und der 1. Förderstufe

Die erste Förderstufe entwickelte sich wesentlich später als die zweite. Etwa zehn Jahre nach der Einrichtung den ersten KJS entstanden in verschiedenen Bezirks- und Kreisstädten sogenannte Trainingsstützpunkte oder -zentren. Erstmals wurde 1965 in zentralen Beschlüssen davon gesprochen, die Talente in "Trainingszentren der Jugend (Stützpunkte)" zu erfassen und von „geeigneten Sportlehrkadern auf hohe sportliche Leistungen und auf die Erfüllung der Aufnahmenormen der Kinder- und Jugendsportschulen“ vorbereiten zu lassen. (Vgl.: Beschluß des Politbüros der SED vom 10.8.1965 über die „Weitere Entwicklung des Leistungssports bis 1972“, S. 16). Darauf aufbauend orientierten die nachfolgenden Beschlüsse vom 19.3.1969 und vom 27.3.1973 auf den systematischen Ausbau der Trainingszentren (TZ) sowie auf den Neuaufbau von Trainingsstützpunkten (TS) und Bezirkstrainingszentren (BTZ).

Auf dieser Grundlage wurden in wenigen Jahren unter der Gesamtverantwortung des DTSB Hunderte von derartigen Zentren und Stützpunkten aufgebaut. Sie stellten eine völlig neue organisatorische Form des Kinder- und Jugendsports bzw. des Nachwuchssports dar und bildeten insgesamt die 1. Förderstufe des Leistungssports in der DDR. Rückblickend kann man feststellen, daß damit eine große Aufbauleistung vollbracht wurde. Sie war vor allem das Verdienst der Vorstände des DTSB in den Kreisen und Bezirken sowie der Bezirksleistungssportkommissionen und der Kreisnachwuchskommissionen, unterstützt von den Leitungen der Sportverbände.

1974 trainierten bereits 69 Tausend Mädchen und Jungen in 1820 Trainingszentren. Darüber hinaus gab es 820 Trainingsstützpunkte, in denen weitere Kinder und Jugendliche betreut wurden. In 22 Sportarten waren 161 Bezirkstrainingszentren gebildet worden. Zu dieser Zeit arbeiteten kaum hauptamtliche Trainer in der 1. Förderstufe. Mehr als 8000 Übungsleiter zeichneten - ehren- oder nebenamtlich tätig - für die Erziehung und Bildung der trainierenden Kinder und Jugendlichen verantwortlich. In relativ kurzer Zeit war so die erste Vorbereitungsstufe zur Förderung sportlich geeigneter Kinder und Jugendlicher entstanden. (Vgl.: Röder, H.: Vortrag auf der Leistungssportkonferenz am 10.2.1975 in Potsdam. Internes Arbeitsmaterial, S. 10-11).

Was waren die Gründe für den Aufbau einer solchen neuartigen Förderstufe?

Die in Auswertung der Olympischen Spiele 1960 und 1964 vorgenommenen Analysen wiesen uns nachhaltig darauf hin, daß sich in vielen Sportarten und Disziplinen das Alter der Olympiateilnehmer und insbesondere das der Medaillengewinner verringerte. Immer früher stießen junge, talentierte Athleten in die Weltspitze. Daraus mußten nach unserer Auffassung Konsequenzen gezogen werden. Ganz offensichtlich war es zu spät, erst nach der Einschulung in die KJS mit einem planmäßigen Training zu beginnen. Die günstigen Lern- und Entwicklungsphasen vor der Pubertät der Mädchen und Jungen mußten für das Training und die Förderung der koordinativ-technischen Fähigkeiten genutzt werden. Aber auch die Auswahlbasis für die Aufnahme in die KJS mußte dringend der verbreitert und verbessert werden.. Zu viele der aufgenommenen Schüler erwiesen sich als nicht genügend steigerungsfähig und schieden aus, bevor sie das eigentliche Höchstleistungsalter erreichten.

Das alles führte zu der Überlegung, der Ausbildungsetappe in den KJS und Sportclubs einen mehrjährigen Abschnitt des Trainings und der Auswahl vorzuschalten. Dazu galt es die geeigneten Organisationsformen zu schaffen. Abhängig von örtlichen Gegebenheiten und sportartspezifischen Erfordernissen wurden die Trainingszentren entweder als Teil einer Sektion einer Sportgemeinschaft des DTSB oder als selbständige regionale Form geschaffen. Sportstätten wie Schwimmhallen, Turnhallen, Radrenn- oder Rollaufbahnen, Sprungschanzen, Eislauf- und Schlittenbahnen waren bevorzugte Standorte. Die ausgewählten interessierten Kinder kamen in der Regel aus den Schulsportgemeinschaften oder den Sportgemeinschaften des DTSB. Sie blieben dort auch weiterhin Mitglied und starteten bei Wettkämpfen für ihre Gemeinschaft.

In politisch-organisatorischer Hinsicht waren die Zentren und Stützpunkte den Kreisvorständen des DTSB unterstellt. Diese wurden in allen wesentlichen Fragen (Sichtung und Auswahl der Sportler, Aus- und Weiterbildung der Übungsleiter, Sicherung der erforderlichen materiell-technischen Bedingungen, Vorbereitung und Durchführung von Wettkämpfen und Trainingslagern u.a.) von den Bezirksvorständen unterstützt. Die Sportverbände wiederum zeichneten für die sportartspezifischen Trainingsprogramme, für die Auswahl- und Aufnahmekriterien sowie für die sportartspezifische Weiterbildung der Trainer verantwortlich. Um ein einheitliches Vorgehen aller Leitungsebenen zu sichern, wurden entsprechende Arbeitsrichtlinien herausgegeben. (Vgl.: „Arbeitsrichtlinie für die Trainingszentren des DTSB“ vom 1.9.1971 und vom 7.12.1977 Internes Material).

Auf dieser Grundlage leiteten Uuml;bungsleiter (vorrangig der Ausbildungsstufen III und IV) und in zunehmenden Maße Trainer den Erziehungs- und Bildungsprozeß. Die Trainer kamen zumeist als Diplomsportlehrer von der DHfK, verfügten über eine Spezialausbildung in einer Sportart und für das Nachwuchstraining. Durch die von ihnen geleistete qualifizierte Arbeit stieg das Ausbildungs- und Leistungsniveau in der 1. Förderstufe in den folgenden Jahren spürbar an.

Der Beginn des Trainings in den TZ richtete sich nach dem Aufnahmealter an den KJS und berücksichtigte sportartspezifische Aspekte. Grundsätzlich erfolgte das TZ-Training für Sportarten mit einem niedrigen Hochleistungsalter (Geräteturnen, Leistungsgymnastik. Sportschwimmen und Wasserspringen) ab der Altersklasse 7. Eine Ausnahme bildete Eiskunstlaufen. Alle anderen Sportarten begannen ab dem 10. Lebensjahr.

Die meisten TZ befanden sich in den Bezirks- und Kreisstädten. Damalige Analysen sagten aus, daß über 85 Prozent aller Trainierenden aus diesen Zentren kamen. Um noch mehr sportliche Talente aus Dörfern und kleinen Gemeinden zu gewinnen, wurde vorgeschlagen, dort Trainingsstützpunkte zu bilden. Auf Grund der geringen Anzahl von Kindern und Jugendlichen an diesen Standorten, sollten die TS in den einzelnen Altersklassen keine vollzähligen Trainingsgruppen aufbauen, sondern sich vorrangig auf die Förderung von einzelnen Talenten konzentrieren. Insgesamt erwies sich jedoch der Nutzen dieser Stützpunkte als zu gering. Meist nur auf einen einzigen Übungsleiter ausgerichtet, konnte das Training nicht kontinuierlich entsprechend den Ausbildungsprogrammen der Sportverbände gewährleistet werden. Nur relativ wenige Sportler schafften den Sprung aus den TS an die KJS. Auf diesen Erfahrungen aufbauend, erfolgte kein weiterer zahlenmäßiger Ausbau der TS. Zunehmend bewährte sich die Fernbetreuung von talentierten Kindern und Jugendlichen, die in ländlichen Gebieten wohnten als eine praktikable Methode. So wurden beispielsweise im Jahr 1986 über diesen Weg 107 Schüler in die KJS aufgenommen.

Auch die von Wissenschaftlern vertretene Empfehlung, zusätzlich zu den sportartspezifischen TZ auch sogenannte komplexe oder allgemeine Trainingszentren einzuführen, ließ sich nicht wie gewünscht verwirklichen. Diese interessante, auf eine breite Vielseitigkeit gerichtete Idee scheiterte vor allem am Fehlen entsprechend ausgebildeter Übungsleiter/Trainer, am Mangel von multifunktional ausgestatteten Trainingsstätten sowie teilweise auch am Egoismus von Verbandsvertretern. Wer war schon so uneigennützig, einen beispielsweise für Handball befähigten, vielseitigen Sportler in ein solches TZ zu geben, wenn er sich am Ende für eine leichtathletische Disziplin als noch geeigneter erwies?

Demgegenüber entwickelten sich die Bezirkstrainingszentren erfolgreich und stabil. Ihnen war die Aufgabe gestellt, als „fachlich-methodische Konsultationsstützpunkte“ für die jeweilige Sportart in einem Bezirk zu wirken. Zumeist in den Bezirksstädten stationiert und vom einem Bezirkstrainer direkt angeleitet wurden die BTZ bald zu Vorbildern für alle TZ in der Region. Oft von mehreren Trainern betreut, erreichten aus den BTZ jährlich relativ viele Sportler gut ausgebildet die KJS. Die BTZ richteten Fortbildungveranstaltungen aus und halfen anderen TZ vor Ort durch Beratungen und Hospitationen.

In der Praxis zeigte sich, daß die 1. Förderstufe mit ca. 1600 bis 1700 TZ und 60 bis 65 Tausend trainierenden Kindern und Jugendlichen zahlenmäßig ausreichend abgesichert war. Diese Größenordnung galt es von Jahr zu Jahr auf hohem Niveau und bei einem systematischen Wechsel von Zu- und Abgängen zu gewährleisten. Die geburtenschwachen Jahrgänge von 1971 bis 1978, in denen die Schülerzahl je Jahrgang in der DDR auf unter 230 Tausend sank, konnte durch eine intensivere Sichtung und andere Anstrengungen - wie z. B. erhöhte Nachdelegierungen - ausgeglichen werden. Jährlich wurden etwa 25 bis 26 Tausend Kinder neu in die TZ zu einem Probe- und Sichtungstraining aufgenommen. Im 2. Jahr trainierten zwischen 21000 und 22000 junge Sportler, im 3. waren es bis zu 11000. Von ihnen erfüllten in den Aufnahmeprüfungen jährlich zwischen 2300 und 2500 Schüler die schulischen und sportlichen Anforderungen. Spitzenwerte wurden 1985 und 1986 mit über 2600 in die KJS delegierten Nachwuchssportlern erreicht.

über Jahre hinweg entwickelte sich so mit der 1. Förderstufe eine stabiles Fundament, das in seiner Dynamik und in seiner Konstanz zu einer unverzichtbaren Voraussetzung für die 2. und die 3. Stufe unseres Leistungssportsystems in der DDR wurde. Neben der fortwährenden zahlenmäßigen Absicherung trat dabei die differenzierte qualitative Ausgestaltung immer stärker in den Vordergrund. Immer deutlicher kristallisierte sich heraus, daß wir in jeder Sportart und in jeden Bezirk eine Kader- und Leistungspyramide schaffen mußten, die bestimmten Gütekriterien entsprach.

Derartige Kriterien bestanden nach unseren Zielvorstellungen in

Die schrittweise Umsetzung dieser Anforderungen wurde besonders in den 80-er Jahren zu einem Arbeitsschwerpunkt der Bezirks- und Kreisvorstände des DTSB, ihrer Trainer, Übungsleiter und der im Nachwuchssport tätigen Funktionäre. Von den Sportwissenschaftlern der DHfK wurden die notwendigen inhaltlichen Vorleistungen erwartet.

Bei der Lösung dieser anspruchsvollen Aufgaben konnten von Jahr zu Jahr bestimmte Fortschritte erzielt werden. Am Ende des Jahres 1986 entsprachen über 93 Prozent der im 1. und 2. TZ-Jahr Trainierenden den angestrebten Kriterien Sportart, Alter und Geschlecht. Und gemessen an der Aufnahme in die KJS verzeichneten 13 von 17 Bezirksorganisationen (15 Bezirksorganisationen des DTSB plus die Sportvereinigung Dynamo und die Armeesportvereinigung Vorwärts) eine zahlen- und normengemäße Erfüllung der Ziele von über 90 %. Abweichungen gab es vor allem in den Sportarten Geräteturnen, Fechten, Volleyball, Gewichtheben sowie in fast allen nordischen Skidisziplinen.

Die komplexe Funktion der 1. Förderstufe trat immer deutlicher zu Tage. Sie bildete im Rahmen des Leistungssports der DDR

(Vgl.: Röder, H.: Referat vor den Bezirkstrainern des DTSB vom 5.3.1982. Internes Arbeitsmaterial, S. 3-5).

Sichtung und Auswahl, Ausbildung und Erziehung der Nachwuchssportler gewannen einen immer größeren Stellenwert. Zurecht sahen wir darin die wohl wichtigsten Entwicklungsreserven für die weitere erfolgreiche Entwicklung des Leistungssport in der DDR.