Olympische Spiele Peking 2008 – eine Nachbetrachtung aus anderer Sicht

Inhaltsübersicht



Vorbermerkungen

Bei der Festlegung des Themas schien mir der Satzteil "eine Nachbetrachtung aus anderer Sicht" wichtig. Was ist damit gemeint? Leider war ich nicht in Peking hautnah bei den Spielen dabei. Es ist also die Sicht eines "Daheimgebliebenen", der die Olympischen Spiele in Peking am Fernseher und durch Presseveröffentlichungen erlebt hat und dem bewusst ist, dass ihm dadurch wichtige Eindrücke, Emotionen und Details, die oft Urteile über Wesentliches mitbestimmen, fehlen.
"Andere Sicht" soll vor allem auf Kenntnisse, Erfahrungen und Maßstäbe hinweisen, die ich in drei Jahrzehnten bei 13 Olympischen Spielen sammeln konnte. Vor den Olympischen Spielen 1956 kämpfte ich als Sportler bei den damals noch üblichen Ausscheidungswettbewerben zwischen den Sportlern beider deutschen Staaten um einen Platz in der Olympiamannschaft. Mehrere Jahre als Zehnkämpfer in der Leichtathletik aktiv, vermag ich mich in die Sichtweise eines Leistungssportlers hinein zu versetzen. Bei den Spielen von 1960 bis 1972 war ich als Mitglied bzw. als Leiter in den Wissenschaftler- und Beobachterdelegationen tätig. Neben der wissenschaftlich-technischen Unterstützung der DDR-Athleten sammelten wir damals akribisch Daten zum Entwicklungsstand und zu Entwicklungstendenzen des Leistungssports in der Welt, die uns beim Aufbau eines eigenen Sportsystems hilfreich waren. Bei den Spielen 1976, 1980 sowie bei den Sommerspielen 1988 leitete ich als Chef de Mission die Olympiamannschaften der DDR. Stolz erfüllt mich auch heute noch, wenn ich an die erfolgreichen Sportler und an unsere Mannschaft in Seoul denke, die in der Gesamtwertung den zweiten Rang vor dem Team der USA mit 102 Medaillen, davon 37 Goldmedaillen, errang. Das alles prägte meine Sicht auf den Sport und auf die Olympischen Spiele von heute. Auch mit dem Abstand von 20 Jahren ist und bleibt sie optimistisch was die Ausstrahlung spannungsvoller Wettkämpfe und deren Werbung für eignes sportliches Tun anbelangt, aber auch kritisch und in mancher Weise distanziert gegenüber den Problemen, Gefahren und Fehlentwicklungen der Olympischen Bewegung und der Olympischen Spiele von heute.
Den chinesischen Sport lernte ich anlässlich einer Studiendelegation 1985 in Peking und Shanghai näher kennen. Die breite staatliche Unterstützung des Sports, das gewaltige Potenzial an Talenten, die Masse der ausgebildeten Sportlehrer, Trainer und Organisatoren wie auch die wissenschaftliche Forschung auf dem Gebiete des Sports beeindruckten uns. Wir schätzten ein, dass Chinas Sport in etwa drei bis vier Olympiaden in die Spitzegruppe der stärksten Sportländer aufsteigen würde und waren davon überzeugt, dass China jederzeit große internationale Sportveranstaltungen und auch Olympische Spiele ausrichten könne. Wenn auch einige Jahre später als damals angenommen, China ist heute, nach der überaus erfolgreichen Durchführung der XXIX. Spiele in Peking nicht nur geopolitisch und wirtschaftlich, sondern auch im Sport eine reale Großmacht!